Katholisch – oder katholisch?
Solidaritätsbeitrag/ Keine Kirchensteuern zahlen und trotzdem die Konfession behalten – bei den Katholiken gehts. Bei den Reformierten nicht.

Katholische Personen, die aus der Kirchgemeinde austreten möchten, können trotzdem katholische Gläubige bleiben. Bischof Vitus Huonder setzte eine entsprechende Richtlinie im vergangenen Oktober in Kraft.
Die Regelung hält fest, dass die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche nicht nur ein spirituelles Geschehen ist, «sondern sie hat immer auch eine sichtbare bzw. materielle Seite». So kann ein katholischer Gläubiger aus der Landeskirche austreten und statt der Kirchensteuer mit einem freiwilligen Beitrag «die materielle Mitverantwortung für die Kirche» übernehmen. Für dieses Geld hat das Bistum einen «Solidaritätsfonds» ins Leben gerufen. Wie das Geld verwendet wird, lässt die Richtlinie offen.

Befürchtete Aushöhlung.
Nicht alle sind über die neuen Richtlinien glücklich. Als ehemaliges Mitglied der Verwaltungskommission (siehe rechts) stimmt Guido Lardi dem Inhalt der neuen Richtlinien im Grossen und Ganzen zu. Aber er befürchtet Probleme für die Katholische Landeskirche: «Für Kirchgemeinden fallen Steuereinnahmen weg. Dies könnte eine Aushöhlung der finanziellen Basis der Landeskirche bedeuten, falls der Austritt zum allgemeinen Modus würde». Vor allem finanziell dürfte die Zahlung in den Solidaritätsfond günstiger kommen als eine Kirchenmitgliedschaft bei der Landeskirche. «Der Bischof lässt praktisch eine freiwillige Spende zu», so Lardi. Es sei zwar festgehalten worden, dass der finanzielle Beitrag «angemessen» sein sollte. Aber was angemessen schliesslich heisst, bliebe jedem Einzelnen überlassen. Das Bistum Chur war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Gelassene Reformierte. Keine Angst davor, dass bei den Reformierten das Gleiche passieren könnte, hat Lini Sutter-Ambühl. die Präsidentin der Reformierten Landeskirche, «Das ist bei uns unmöglich, da wir das katholische Dualsystem mit Landeskirche und bischöflicher Kirche nicht kennen», sagt sie. Bei der Reformierten Landeskirche stehe die Kirchgemeinde im Zentrum. «Die Idee eines Solidaritätsbeitrages ist keine reformierte Idee, da die Kirchgemeinde der Ort ist, wo Kirche gelebt wird», meint Sutter. Ein partieller Austritt sei daher unmöglich. «Entweder ist man reformiert oder nicht», so die Präsidentin. Fadrina Hofmann

Bistum Chur
Schweizer Diözese. Hierarchische Struktur mit Bischof Vitus Huonder an der Spitze, oberster Vorgesetzter ist Papst Benedikt XVI.
www.bistum-chur.ch

Katholische Landeskirche
Demokratisch aufgebaute öffentlich-rechtliche Organisation, mit Verwaltungskommission (Exekutive) und dem Parlament Corpus Catholicum (Legislative).
www.gr.kath.ch

Reformierte Landeskirche
Demokratisch aufgebaute öffentlich-rechtliche Organisation, mit Kirchenrat (Exekutive) und Evangelischem Grossen Rat (Legislative) in Graubünden.
www.graubuenden-reformiert.ch