Die Perspektive der Pionierinnen

Fotografie

Eine Ausstellung wirft einen aufschlussreichen historischen Blick auf Leben und Werk von sieben Schweizer Fotografinnen.

Seit über 50 Jahren sammelt und sichtet die Fotostiftung Schweiz Lebenswerke von Fotografinnen und Fotografen. Unter den rund 160 archivierten Nachlässen stammen jedoch lediglich 26 von Frauen. 

In einer neuen Ausstellung der Fotostiftung Schweiz in Winterthur werden jetzt die Arbeiten und Biografien von sieben Vertreterinnen des Berufsstandes vorgestellt und nacherzählt. «Frauen. Fragen. Fotoarchive.» widmet sich nicht nur ihren Lebenswegen, sie reflektiert gleichzeitig die gesellschaftlichen Bedingungen, innerhalb derer sich die Fotografinnen etabliert haben. 

Soziologische Recherche 

Die Schau ist somit eine Mischung aus soziologischer Recherche und einem Blick auf künstlerische und handwerkliche Ästhetik. Diese beiden Aspekte stehen in einem Dialog, wie es die Stiftung in ihrer Ausstellungsbeschreibung formuliert. Schriftdokumente und Fotografien zeugen von den Ausbildungs- und Arbeitsverhältnissen, Vorurteilen und Herausforderungen, denen sich die Frauen gegenübersahen. Gleichzeitig sollen die Bilder die Perspektive der Fotografinnen auf ihre Lebenswelten vermitteln. 

Die Amateurfotografie hatte damals den An-spruch, Kunst zu sein.
Teresa Gruber, Kuratorin

Die Ausstellung ist chronologisch gegliedert und beginnt mit Anny Wild-Siber und Gertrud Dübi-Müller. Beide waren Amateurfotografinnen, und ihre Werke entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts. «Doch bewegten sie sich auf einem hohen, eigentlich professionellen Niveau», sagt Kuratorin Teresa Gruber im Gespräch mit «reformiert.». Sie betont, dass damals «auch die Amateurfotografie den Anspruch besass, Kunst sein zu können». 

Dübi-Müller ist ein eindrückliches Beispiel für eine Frau, die sich in der sehr patriarchalen Vorkriegsgesellschaft ihren Platz zu erkämpfen wusste. So war sie die erste Frau, die in ihrer Heimatstadt Solothurn ein Auto fuhr. Zudem betätigte sie sich als Kunstmäzenin. 

Bemerkenswert: Schon zur Zeit Dübi-Müllers galt die Fotografie zumindest teilweise als «Frauenberuf», wenn auch nicht derart typisch wie beispielsweise Schneiderin oder Floristin. «Aus Statistiken der 1920er-Jahren lässt sich ableiten, dass immerhin rund 20 Prozent Frauen in dem Sektor tätig waren», sagt Kuratorin Teresa Gruber. 

Eine der folgenden nachgezeichneten Biografien ist diejenige von Margrit Aschwanden. Sie konnte in den 1930er-Jahren eine Lehre machen, später führte sie sogar ihr eigenes Atelier. Andere Fotografinnen wie Anita Niesz besuchten die 1932 gegründete Fachklasse an der Zürcher Kunstgewerbeschule.

Der behandelte Zeitrahmen der Ausstellung endet 1970 mit einer anstehenden Epochenwende. In dieser begannen sich die männerdominierten Strukturen nicht nur im Berufsfeld Fotografie, sondern auch gesamtgesellschaftlich langsam aufzuweichen. 

Frauen. Fragen. Fotoarchive. 28. Februar bis 14. Juni, Fotostifung Schweiz,  Grüzenstrasse 45, Winterthur. Vernissage: Freitag, 27. Februar, ab 18.00. www.fotostiftung.ch