«Er ist eigentlich ein Unding, das wahrscheinlich einst als Esstisch gebraucht wurde. Ein riesiges Möbel. Und er hat keine Schubladen. Meine Frau hat ihn 1968 mitgebracht, als wir heirateten. Er kam aus ihrer Familie und wurde da nicht mehr gebraucht. Für mich war sofort klar, dass das ein Schreibtisch ist.
Es hat genug Platz auf ihm. Ich kann die Dinge ein bisschen auf die Seite tun, ich kann mir ein Zentrum schaffen, wo ich daran arbeite. Und er strahlt einen gewissen Reichtum aus.
Vom Dichter Ernst Jandl gibt es einen sehr schönen Spruch: ‹Mein Schreibtisch ist gedeckt für alle.› Das hat mir immer gut gefallen, weil meiner ursprünglich mal ein Esstisch war. Und die Vorstellung, dass ein Tisch auch mit Worten gedeckt werden kann. Für mich gehören Geschichten zu den Grundnahrungsmitteln des Menschen. Das können, glaube ich, alle bestätigen, die mit Kindern zu tun haben.
Ein Stück Heimat
Die Beziehung zu meinem Schreibtisch ist sehr innig und persönlich. Er wurde mit den Jahren viel mehr als ein Möbel, so etwas wie ein Arbeitskollege. Oder eine Mischung von Haustier und Arbeitskollege. Ein bisschen pathetisch gesagt, ist er ein Stück Heimat für mich. Ich habe das Gefühl, an diesem Tisch sei ich heimatberechtigt.
Und tatsächlich freue ich mich jeden Morgen, wenn ich so um neun in dieses Zimmer im oberen Stock unseres Hauses komme und an meinen Schreibtisch sitzen kann mit der Aussicht auf Oerlikon – mit zunehmendem Alter umso mehr: Ich merke, es liegt alles bereit, was ich brauche, ich kann weitermachen.
