Peter Baumann steht vorne im Saal, lässt die gestreckten Arme langsam kreisen: «Kein kleines Regenbögeli, macht ein grosses», ruft er. Bei der nächsten Übung biegen sich die Seniorinnen und Senioren vor ihm wie Tulpen im Frühlingswind. Dass hier kein Yoga stattfindet, wird klar, als der 71-Jährige am schwarzen Flügel schliesslich die ersten Akkorde anschlägt. «Ma-me-mi-mo-mu» – das Einsingen beginnt.
Baumann ist Chorleiter, Singen bedeutet für ihn vollen Körpereinsatz. Auch in anderen Chören sei Bewegung wichtig, sagt er nach der Probe. «In diesem Chor achte ich aber noch mehr darauf.» Seine Sängerinnen und Sänger sind zum Teil hochbetagt, haben im Alltag wenig Bewegung. Viele sind an Demenz erkrankt, andere begleiten Betroffene. Es ist ein Inklusionsprojekt, bei dem es nicht nur ums Singen, sondern auch ums Erinnern geht.
