Der Kommunikator

Kirche

Von Luxor über Staatsbeiträge zu Corona: Drei Jahrzehnte lang prägte Nicolas Mori die Kommunikation der reformierten Landeskirche. Nun geht er in Pension.

Von seinem Büro im Zürcher Niederdorf sind es nur wenige Schritte zum Garten der Villa Tobler. Im kleinen Park blühen neben dem Teich die Blumen. Oft kommt Nicolas Mori über Mittag hierher, isst ein Sandwich, atmet kurz durch zwischen den zahlreichen Sitzungen, Medienanfragen und Telefonaten. Wer ihm zuhört, merkt schnell: Mori spricht nie hektisch. Auch dann nicht, wenn er von Krisen erzählt, von den Abstimmungskämpfen oder Nächten mit Hunderten von Nachrichten. Seine besonnene Art ist fast körperlich spürbar. 

Die Mischung aus Unaufgeregtheit, Überblick und Verlässlichkeit wird an ihm besonders geschätzt. «Mit seiner ruhigen, bestimmten Art prägte Nicolas Mori die Kommunikation unserer Landeskirche – elegant und nüchtern im Stil, klar und zuverlässig im Inhalt», sagt Kirchenratspräsidentin Esther Straub. Zudem verfüge Mori «über einen riesigen Erinnerungsschatz».

Durch Meditation gestärkt 

Einige grosse Krisen prägten Moris Zeit als Kommunikationschef. Er erinnert sich etwa an den Luxor-Anschlag, als die Särge der Opfer in Zürich ankamen und am Flughafen eine Trauerfeier stattfand, später an den Terroranschlag vom 11. September 2001 oder die Pandemie. Während Corona klingelte das Telefon teils schon um sechs Uhr morgens, dazu kamen mehrere 100 Mails täglich. «Ich war nudelfertig.» Mori bezeichnet die Pandemie als eine der grössten Herausforderungen in seiner beruflichen Laufbahn. Vielleicht habe ihm damals seine Disziplin geholfen: Jeden Morgen steht er um fünf Uhr auf und meditiert. 

Seit 1995 arbeitet Mori für die Kommunikation der Landeskirche, nach fünf Jahren übernahm er die Leitung. Als er begann, wurde noch per Fax kommuniziert. Mittlerweile diskutiert die Kirche kontrovers, wo und wie künstliche Intelligenz verantwortungsvoll eingesetzt werden soll. «Ich fühle mich an die Debatte erinnert, ob die Gesamtkirchlichen Dienste Computer anschaffen sollen», sagt Mori und schmunzelt.

Bei ihm liefen die Fäden zusammen: in Krisen, vor Abstimmungen und bei Konflikten, er musste die Anliegen von Kirchenrat, Synode, Kirchgemeinden und Medien berücksichtigen. Seine erste grosse politische Debatte war die Abstimmung über die Trennung von Kirche und Staat 1995. Bis heute bleibt das Thema sensibel: Wenn die reformierte und die katholische Kirche Rechenschaft gegenüber dem Kanton über die Verwendung der Staatsbeiträge ablegen, hat die Kommunikationsabteilung besonders viel zu tun. 

Generell habe sich die Medienarbeit stark verändert. Früher seien Anfragen deutlich häufiger und kritischer gewesen. Viele Redaktionen hätten sich spezialisierte Journalistinnen und Journalisten für Religionsthemen geleistet. «Die Antikirchlichkeit, die einst zuweilen spürbar war, ist heute eher einer Gleichgültigkeit gewichen», sagt Mori. 

Studiert hat Nicolas Mori Philosophie, Religionswissenschaften und Psychologie in Zürich und Berlin. Im Gespräch springt er mühelos von Medienlogik zu spirituellen Fragen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Kirche sei breiter und vielfältiger. Sie gehe dorthin, wo Menschen unterwegs seien. «Die Präsenz an der Gartenmesse Giardina ist ein Beispiel dafür.» So gesehen, gleiche Kirche fast einem «Gemischtwarenladen», was Mori positiv meint. 

Ein Wunsch Moris blieb allerdings über all die Jahre unerfüllt: das «Kirchentram», eine sichtbare Kirche mitten im Alltag der Stadt. Gescheitert sei die Idee letztlich auch daran, dass viele in der Kirche Mühe hätten, Geld für Marketing und Werbung auszugeben.

Grosse Loyalität 

Auf einen persönlichen Erfolg ist Mori besonders stolz: die Einführung des Schulfachs «Religion, Kultur, Ethik», das den konfessionellen Religionsunterricht ablöste. Die Idee für die Volksinitiative kam damals von ihm. Später endet das Gespräch in der Altstadtbar. Leiser Jazz im Hintergrund. Hier traf sich Mori oft mit Freunden, etwa mit dem ehemaligen Kulturbeauftragten der Kirche, Philippe Dätwyler, mit dem er zusammenarbeitete: «Nico liess sich nie in Machtspiele verwickeln und blieb stets souverän, loyal, professionell.»

Am 30. Juni ist Moris letzter Arbeitstag. Und worauf freut er sich? «Nicht ständig erreichbar sein zu müssen.»