Gretchenfrage 08. Januar 2026, von Isabelle Berger

«Es ist gut, sich an etwas festhalten zu können»

Werner Günthör

Positives Denken, die Zuwendung anderer Menschen, aber auch der Glaube sind der Kugelstoss-Legende in schweren Zeiten eine Stütze. 

Wie haben Sies mit der Religion, Herr Günthör? 

Ich bin katholisch, gehe aber nicht in die Kirche. Ich bin noch Mitglied, habe aber immer wieder Mühe mit der katholischen Kirche. Etwa in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit. In solchen Dingen bin ich auf der Seite der Reformierten. 

Was ist Glaube für Sie? 

Ich glaube nicht an einen personalen Gott, finde es aber gut, wenn man sich an etwas festhalten kann. Gehts mir schlecht, denke ich schon: «Herrgott, ich war doch ein Guter. Hilf mir jetzt!» In gewissen Situationen ist mir der Glaube etwas näher, aber dieses Thema begleitet mich nicht den ganzen Tag. 

Woran glauben Sie? 

Für mich ist alles unendlich, ohne Anfang und Ende. Ob es ein Leben nach dem Tod gibt, weiss ich nicht. Ich lebe im Moment und bin zufrieden mit dem, was ich habe. Gemäss dem Gebot «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst» durchs Leben zu gehen, sollte selbstverständlich sein. 

Was stärkt Sie in schweren Zeiten? 

Positives Denken und Menschen, die zuhören, helfen oder trösten. Es gibt aber gerade in unserer oberflächlichen Zeit nur wenige, an die man sich wirklich anlehnen kann. 

Wie relevant ist Glauben im Sport? 

Es ist wichtig, an sich selbst zu glauben und daran, dass man sich durch Übung verbessern kann. Man muss aber auch ehrlich mit sich selber sein: Misserfolge zeigen, wo man weiterüben muss. Hilfreich ist auch das Vertrauen in den Trainer und gute Methoden – das stärkt wiederum den Glauben an sich selbst. 

Sie werden bald pensioniert. Bleiben Sie dem Sport erhalten? 

Während meine Frau noch arbeitet, möchte ich noch etwas in der Ausund Weiterbildung von Sportlern und Sportlerinnen weiterarbeiten. Vor allem möchte ich aber meine letzte Lebenszeit geniessen: reisen, Freunde treffen, Motorrad fahren.