Entspannt und ganz ohne Kommerz

Sport

Das «Bistro ufem Chilehügel» in Zürich ist eine wohltuende Public-Viewing-Alternative. In kirchlicher Umgebung verfolgten einige Dutzend Fans die ersten Schweizer WM-Spiele. 

Es ist ein lauschiges Plätzchen, die Terrasse vor dem «Bistro ufem Chilehügel». Gleich neben der Grossen Kirche Altstetten spendet das üppige Blätterdach eines Baumes Schatten. Festbänke sind aufgestellt, auf dem Grill brutzeln Würste. 

Alles sieht nach einem kleinen Sommerfest aus. Doch der aufgestellte Flachbildschirm und Gäste in roten Fussballtrikots der Schweizer Nati lassen den Zweck des Anlasses erahnen: An diesem heissen Donnerstagabend spielt die Schweiz an der Weltmeisterschaft gegen Bosnien-Herzegowina, das Team des Bistros lädt zum Public Viewing. 

Die Atmosphäre ist locker und gemütlich. Und genau das schätzen die rund 50 Gäste, wenn man sich nach ihrem Beweggrund erkundigt, hier auf der sanften Anhöhe und im kirchlichen Umfeld Fussball im Kollektiv zu schauen. 

Den Hügel beleben 

Claudio und Chien sind zwei Freunde Mitte dreissig. Im Kreis 9 ist Claudio aufgewachsen, für ihn bedeuten Kirche und Bistro «ein Stück Zuhause, seit ich klein bin». Man kennt sich – in Claudios und Chiens Fall auch den anwesenden Sigrist oder Pfarrer Francesco Cattani. 

Der Pfarrer findet es wichtig, dass die «Kirche sich als ein Quartiertreffpunkt für die unterschiedlichsten Menschen versteht». Auch Mitorganisator und Sozialdiakon Andy Altorfer betont den Charakter eines Schmelztiegels, an dem es um «Begegnungen und die Belebung des Chilehügels geht». Und wenn Gäste dazu noch neue Kontakte zur Kirche knüpfen, sei dies umso schöner. Ein Unterschied zu anderen Public Viewings: Von Kommerz ist hier keine Spur. «Es soll ein niederschwelliger und schlichter Anlass sein. Wenn man möchte, kann man das eigene Znacht mitbringen», erklärt Altorfer. Doch die meisten verpflegen sich lieber am Grill.

Wir verstehen uns als ein Quartiertreffpunkt für die unterschiedlichsten Menschen.
Pfarrer Francesco Cattani

Die Zuschauer fiebern dem Anpfiff entgegen. Auch die Pensionäre José und Bruno sind aus der Umgebung und pflegen persönliche Kontakte zu Mitgliedern der hiesigen Kirche. Hauptargument, hier zu sein, sei jedoch, «dass es nicht viele Leute hat und man entspannt das Spiel schauen kann», sagt Bruno. 

Ähnlich klingt es bei Karin aus Höngg und ihrer Freundin Mara. Sie kennen die Organistin der Kirche, haben also einen persönlichen Bezugspunkt und schätzen «die sympathische Stimmung». 

Kein grosser Rummel

Während des Spiels bleibt der familiäre Charakter erhalten. Manche scheinen gar lieber das freundschaftliche Gespräch zu suchen, als den Blick auf den Bildschirm zu richten. Dafür sorgt auch das zunächst eher maue Spiel. Karin ist wohl der energischste Fan der Nati. 

Über 70 Minuten fiebert sie Daumen drückend mit, ehe sie von den Schweizer Toren erlöst wird. Nach dem 2:0 gehen ein paar Fangesänge durch die Reihen, weitere folgen bis zum 4:1. Kein Vergleich zum Rummel grösserer Public Viewings. Der Chilehügel ist eine wohltuende Alternative für jene, die es etwas behaglicher mögen.