Entwickelt hat den Ansatz die Gynäkologin Ghada Hatem-Gantzer, sie eröffnete 2016 in Saint-Denis bei Paris das erste Haus, um das es im Film geht. Trotz des realen Vorbilds entschied sich Regisseurin Godet für die Fiktion. «Die Heilungsprozesse sind extrem fragil, ich wollte nicht mit meinem Blick von aussen stören», sagt sie im Interview mit der Filmförderbehörde CNC.
Die Idee Filmidee trug Godet bereits lange mit sich herum. «Aber ich fühlte mich für so ein immenses Thema noch nicht gefestigt genug», so die Regisseurin, die mit «La maison des femmes» ihren ersten Spielfilm zeigt. Darin erzählt sie die Geschichten verschiedener Patientinnen. Etwa jene einer Frau, die vor ihrem gewalttätigen Mann nach Europa floh. Oder die einer Sozialarbeiterin, die zwar ihren Klientinnen half, aber Jahre brauchte, um sich vom eigenen gewalttätigen Mann zu trennen.
Abgründe und Perspektiven
Auch das Thema Genitalverstümmelung erhält viel Beachtung. Die Geschichten der Patientinnen sind verwoben mit denen des Personals und den wirtschaftlichen Realitäten des Zentrums. Die Gynäkologin Hatem-Gantzer hatte das Filmteam unterstützt und Godet sowie weitere Crew-Mitglieder eingeladen, ihre Arbeit vor Ort zu erleben. Entstanden ist ein Film, der die Bandbreite von Gewalt gegen Frauen zeigt, aber dabei nie den roten Faden verliert. Und er macht deutlich, dass es sich um ein Phänomen handelt, das alle Gesellschaftsschichten betrifft und angeht.
Bemerkenswert ist aber vor allem eines: Der Filmemacherin gelingt es, trotz der Schwere des Themas zu unterhalten. Bei den Besuchen vor Ort habe sie viele entspannte Momente erlebt, Patientinnen und Personal scherzen gesehen, sagt Godet. «Ich wollte Raum für dieses Aufatmen, für Momente der Gelöstheit und Freude lassen.» Der Film zeigt Abgründe, aber auch Perspektiven. Dadurch ist er ein inspirierender, gefühlvoller Film, der ein breites Publikum ansprechen dürfte.
La maison des femmes. Regie: Mélisa Godet. Frankreich 2026. Kinostart: 11. Juni