Von der Dunkelheit zurück ins Licht

Film

In «Cinque Secondi» erzählt Regisseur Paolo Virzì  eine Geschichte von Trauer und Selbstaufgabe. Valerio Mastandrea überzeugt als Anwalt, der neuen Lebensmut schöpft. 

Er lebt zurückgezogen in den Stallungen einer verlassenen toskanischen Villa, ernährt sich von Konserven und kann sich kaum um sich selbst kümmern, geschweige denn um seine Umwelt: Adriano scheint mit sich und dem Leben abgeschlossen zu haben. Doch dann besetzt eine Gruppe junger Menschen die baufällige Villa nebenan. 


Schuld und Sühne
Die Männer und Frauen wollen mit ihrem im Studium erworbenen Wissen den Weinberg wiederbeleben und die alten Olivenbäume kultivieren. Der abweisende Einsiedler fühlt sich von ihnen gestört, will die Gruppe wieder loswerden. Doch ausgerechnet sie bieten ihm die Hand zurück ins Leben.
Diese Grundidee der Geschichte hätte Potenzial für eine seichte Wohlfühlkomödie. Dem italienischen Regisseur Paolo Virzì, der für Tragikomödien wie «Die Überglücklichen» bekannt wurde, ist mit «Cinque Secondi» jedoch ein berührendes Drama gelungen. Adriano, intensiv gespielt von Valerio Mastandrea, steht im Mittelpunkt der Geschichte. 

Virzì nimmt sich ausgiebig Zeit, die Selbstaufgabe Adrianos greifbar zu machen. «Der Ausgangspunkt war der Versuch, bei der Dunkelheit anzusetzen, beim Abgrund, in dem sich ein Mensch befinden kann, um zu verstehen, was in der Seele eines Menschen vor sich gehen kann, der sein eigenes Leben infrage stellt», sagte Virzì dem italienischen «Style Magazine». Nach und nach erfährt das Publikum die Gründe für den radikalen Rückzug dieses Anwalts, der einst so erfolgreich war.

Es entspinnt sich eine Geschichte um Schuld und Sühne, auf juristischer, aber auch auf persönlicher Ebene. Es geht um den Verlust von Adrianos Tochter – und fünf entscheidende Sekunden, die dem Film seinen Titel geben. Bemerkenswert ist dabei der menschenfreundliche Blick, mit dem der Regisseur auf die Charaktere blickt. Virzì zeigt kontrastierende Welten, ohne zu werten: die vermögende bürgerliche Gesellschaft Roms, in der sich Adriano früher bewegte, und die jungen Idealistinnen und Idealisten, angeführt von Matilde (Galatea Bellugi), die auf dem Gut aufwuchs und der sich Adriano verbunden fühlt. 

Gräben überwinden
Das Thema Generationenkonflikt schwingt dabei mit. Im Film wird er durch Freundschaft und Fürsorge überwunden. Werte, die sich auch eindrücklich in der Beziehung zwischen Adriano und seiner Kanzleipartnerin Giuliana zeigen, gespielt von Valeria Bruni Tedeschi. Virzì spricht seinem Film zu, «Vertrauen in die menschliche Natur und in Beziehungen» zu zeigen. Das ist ihm mit «Cinque Secondi» tatsächlich gelungen.