Mit dem Mikrofon in der Hand steht Birgitta Martensson im Zürcher Kulturmarkt, schaut in den vollen Saal. Mit einer Spur Trotz in der Stimme sagt sie: «Ich habe Alzheimer, kann man das erzählen?»
Die Kamera schwenkt ins Publikum, das aufmerksam zuhört, und wieder zurück zu Martensson, die nun über ihr Leben mit Demenz spricht. Später wird sie anfügen: «Ich verstehe nicht, warum man sich schämen sollte, wenn man ein Problem mit dem Gehirn hat.»
Martensson war 15 Jahre lang Direktorin von Alzheimer Schweiz. Kurz vor ihrer Pension 2015 beobachtete sie bei sich selbst erste Anzeichen der Krankheit. Vor drei Jahren, als sie schon längst Mühe mit Gedächtnis und Orientierung hatte, reiste sie von ihrem Wohnort in der Westschweiz nach Zürich, um Fachleuten und Angehörigen ihre persönliche Botschaft zu überbringen: Es gibt auch ein schönes Leben mit Demenz. Und: Eine frühe Diagnose ist wichtig, um selbst zu entscheiden, wie es weitergehen soll.
Kirche gab Starthilfe
Davon erfuhr die Zürcher Dokumentarfilmerin Marianne Pletscher, die mehrere Filme mit Menschen mit Demenz gemacht hatte. Spontan rief sie Martensson an und fragte, ob sie ihren Auftritt filmen dürfe. Martensson sagte zu. «Mich interessierte, ob jemand, der sich beruflich mit Alzheimer beschäftigte, anders mit der eigenen Erkrankung umgeht», sagt die Filmemacherin beim Gespräch im üppig-wilden Garten ihres Arbeiterhäuschens im Zürcher Kreis fünf.
