Der Bär ist ein stattliches Tier – und ein symbolträchtiges obendrein. Es steht für Stärke, Mut und Unerschütterlichkeit. Eine besondere Beziehung hat man zum Bären in Bern: Im Dialekt stehen sich der Kanton Bärn und sein Wappentier Bär schon akustisch besonders nahe. Dass Meister Petz nicht nur auf der rot-gelben Berner Fahne, sondern auch als Motiv auf allerlei Souvenirs prangt, versteht sich unter diesen Umständen von selbst.
Folgerichtig hat die reformierte Landeskirche Refbejuso das Sujet ebenfalls gekapert: als Logo zum Reformationsjahr 2028. Da steht er, der grafisch dargestellte schwarze Bär, freundlich lächelnd, die Arme segnend erhoben, mit einem Heiligenschein über dem Kopf schwebend. Darunter, auf Deutsch und Französisch, der Schriftzug «500 Jahre Berner Reformation».
Kritisch nachgefragt
Logos zu Fest- und Gedenkjahren sind Signale. Entsprechend reizvoll ist es, diese Signale zu dechiffrieren. Versuchen wirs – und steigen wir gleich mit ein paar kritischen Fragen ein. War das Geschehen rund um die Reformation im damals mächtigsten Stadtstaat nördlich der Alpen nicht zu gewichtig und folgenreich, um jetzt, 500 Jahre später, mit einem Kinderbuch-Bären illustriert und propagiert zu werden? Und das erst noch mit einem, der wie ein Witzblatt-Petrus die obligate Gloriole über dem pelzbärtigen Haupt trägt?
Wäre denn nicht irgendetwas mit dem Münster, einem Abendmahlskelch oder der stilisierten Porträtsilhouette eines Berner Reformators angemessener, wür-diger, kirchlicher? Oder allenfalls auch eine rein typografische Lösung mit einem speziell gestalteten Schriftzug?
So könnten die Fragen eines kritischen Geistes lauten. Versuchen wir auch Antworten zu liefern, diesmal in wohlwollendem Sinn. Die Münster-Skyline oder ein liturgisches Gerät würde auf ein heutiges Publikum wohl etwas zu konventionell wirken, zu bieder. Oder zu fremd. Auch das Konterfei einer bedeutsamen Gestalt wäre kaum geeignet. Deutschland hat seinen ikonischen Luther, Zürich seinen markanten Zwingli – aber Bern?
In Bern war die Reformation Teamwork, und die massgeblichen Gestalten haben heute in der breiten Bevölkerung keinen optischen Erkennungswert: Niklaus Manuel, Berchtold Haller, Franz Kolb, Sebastian Meyer.
Sag es mit Humor
Was bleibt, ist das Wappentier, der Bär. Warum ihn also nicht aus dem Wappen heraustreten und für einmal für die Kirche antreten lassen? Der Bär ist stark. Er ist sympathisch. Er spricht alle Altersklassen gleichermassen an, weckt bei Kirchenfernen keine unlus-tigen Gefühle. Und mit Heiligenschein gibt er sich nicht nur eine kirchliche, sondern auch eine humoristische, sympathisch selbstironische Note – wohl genau das Richtige für ein Reformationsgedenkjahr in einer zunehmend säkularen Gesellschaft.
