«Hallo, willkommen, wir sind Henk und Barbara. Möchtest du Kaffee?» Die Gastfreundschaft in der Kirche Open Hof in Kampen, einer Kleinstadt in der niederländischen Provinz Overijssel, beginnt, während die Eingangstür ins Schloss fällt. Von der Theke einer Küche aus begrüsst ein Paar im Seniorenalter freundlich jeden Neuankömmling.
Es ist ein winterlicher Samstagmorgen. Draussen rollt der Verkehr vorbei, drinnen lauschen 25 Frauen und Männer einer Pfarrerin, singen und lesen Gedichte. Frühmorgens ist die Gruppe aus dem 100 Kilometer entfernten Veenendaal hergereist. Von acht bis zwölf Uhr halten sie eine Feier. Kurz bevor sie ihre Sachen zusammenpacken, betritt die nächste Gruppe die Kirche. Auch sie ist mit dem Car angereist, zwei Stunden dauerte die Fahrt aus Schiedam. Die Pfarrerin begrüsst den neuen Pfarrer, mit einem Segen überreicht sie ihm eine brennende Kerze.
Über 2500 Helfende
Was wie ein offener Gemeindetag wirkt, ist minutiös organisiert. Seit November 2024 findet hier ohne Unterbruch Gottesdienst statt. Mehr als 2500 Menschen haben einander seither abgelöst, die Kerze weitergereicht. Pfarrerinnen und Imame, Musiker und Künstlerinnen, Gläubige und Atheisten aus dem ganzen Land. Freiwillige Helfer verköstigen sie rund um die Uhr und bieten gratis Kost und Logis an für jene, die nach ihrer Schicht in der Nacht ein Bett brauchen.
All diese Menschen halten die Feier am Laufen, um Zeit und Schutz zu schaffen. Solange hier gebetet und gesungen wird, darf die sechsköpfige Familie Babayant aus Usbekistan, die seit zwölf Jahren in den Niederlanden wohnt, nicht ausgeschafft werden. Open Hof ist Schauplatz eines Kirchenasyls geworden. Ein laufender Gottesdienst gilt in den Niederlanden als unantastbar. Behörden dürfen die Kirche nicht betreten, auch nicht die Polizei.
