Mit Spannung war die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. erwartet worden, zumal schon im Vorfeld bekannt war, welchem Thema sich der katholische Kirchenführer widmen würde: der künstlichen Intelligenz. Am Pfingstmontag stellte er dann sein Lehrschreiben vor, anders als seine Vorgänger persönlich, zudem im Beisein des Chefs des KI-Labors Anthropic und von Theologinnen.
Der Vatikan beschäftigt sich mit dem Thema KI schon lange, seit 2016 gibt es einen Austausch zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Silicon Valley. Der Theologe und Vatikan-Experte Massimo Faggioli begründete das Interesse der Kirche jüngst in einem Gespräch mit «reformiert.» damit, dass KI die Sicht auf den Menschen verändere. Die Idee des Menschen als Entscheidungsträger, geschaffen im Ebenbild Gottes, werde durch KI ersetzt durch Technik. «Das untergräbt die christliche Sicht auf den Menschen», sagt Faggioli.
Tradition und Gegenwart
Dieser Logik entspricht auch der Titel der Enzyklika. «Magnifica Humanitas» stellt nicht die KI, sondern die «grossartige Menschheit» ins Zentrum. Das über 100 Seiten starke Werk steht in der Nachfolge der Sozialenzyklika «Rerum Novarum», in der sich Papst Leo XIII. exakt 135 Jahre zuvor der Industrialisierung widmete.
