Wie viele Covid-Patientinnen und -Patienten werden derzeit im Sune-Egge behandelt?
Im Moment sind es sechs. Weil es in den letzten Tagen etwas mehr Fälle gab, mussten wir improvisieren und zwei Patienten in unserer externen Pflegestation Sunegarte in Egg unterbringen. Unser Spital an der Konradstrasse hat insgesamt 25 Betten; 5 davon sind zurzeit für Covid-Patienten reserviert. Als kleines, peripheres Spital können wir bei fehlender Intensivstation natürlich keine beatmeten Patienten betreuen.
Wie geht es den Erkrankten?
Sie sind symptomlos oder haben nur leichte Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Husten. Unsere Aufgabe ist es, Menschen, die kein Obdach haben, zu isolieren und zu betreuen. Für Patienten, die ein Zuhause haben, wäre in einer solchen Situation eine Hospitalisation nicht nötig. Die meisten kommen von der Notschlafstelle Pfuusbus. Dort werden jeden Abend Massentests durchgeführt: Wer positiv getestet ist, wird direkt in den Sune-Egge gebracht und isoliert. Schwere Krankheitsverläufe sehen wir nur wenige. Bis dato mussten wir lediglich zwei Patienten an ein grösseres Spital überweisen, wo sie ans Beatmungsgerät angeschlossen werden mussten. Eine Patientin befindet sich aktuell noch auf der Intensivstation.
Sind Menschen aus dem Sucht- und Obdachlosenmilieu nicht besonders vulnerabel?
Das hatten wir zuerst auch vermutet und mehr Komplikationen erwartet. Als die Pandemie vor etwas mehr als einem Jahr losging, hatte ich befürchtet, dass wir viel mehr schwere Fälle sehen würden. Die Gruppe der randständigen Menschen scheint jedoch nicht über Massen betroffen zu sein, was auch andere Suchtinstitutionen beobachten. Und das, obwohl in diesem Milieu viele Menschen suchtkrank sind und an schweren Begleiterkrankungen leiden – wie etwa einer Raucherlunge, einer HIV-Erkrankung oder einer Leberzirrhose.
