«Vergesst Luther! Das ist der wichtigere Reformator» titelt die Zeitung «Welt» zum Kinostart des Zwingli-Films in Deutschland. Auch lobende Kritik für den Schweizer Reformator wie für den Film von Stefan Haupt macht eines nicht ungeschehen: Zwingli kam nur bis Kreuzlingen. Denn in Konstanz erfährt der Film bei seinem Kinostart nur bescheidenen Zuspruch. In Deutschland dürfte der Film weit entfernt von Schweizer Einspielergebnissen bleiben. In helvetischen Kinos dagegen haben beinahe -eine Viertelmillion Menschen das Historienepos gesehen.
Kennen Sie Zwingli? reformiert. hat bei Passanten und Kinogängern in Konstanz nachgefragt.
Immerhin so dreissig Menschen finden sich im grossen Kinosaal des Cinestar-Kinos am frühen Abend in Konstanz ein. Da ist die Schweizerin aus Stein am Rhein, die es nie geschafft hat, die cineastische Zwingli-Saga im oft ausverkauften Schaffhauser Kino zu sehen. Meist sind es indes Deutsche, die von dem Antipoden Luthers gehört haben. Sie wollen ihrem verschwommenen Bild vom Schweizer Religionserneuerer neue Konturen geben. Sie wollen wissen, warum die Reformation so verschiedene Schattierungen hervorgebracht hat, warum die Kirche sich vor 500 Jahren gespaltet hat.
Eine Kinogängerin aus Radolfzell hat so viel in ihrem Lieblingssender SRF 2 von Zwingli und dem Film gehört, dass sie ihn nun mit eigenen Augen sehen will. Auf der Strasse von Konstanz dagegen runzeln die Menschen die Stirn, wenn man sie nach Zwingli fragt. «Zwingli?», murmeln sie vor sich hin, und sagen etwas lauter: «Nie gehört.»
