Ein grosses Fest für die Streitkultur

Reformation

500 Jahre nach der Badener Disputation setzt ein Jubiläum auf Dialog statt Spaltung. Die Disput(N)ation bringt Menschen zusammen und fördert die Verständigung .

Frieden, Liebe, Zukunft und Hoffnung: Die Philosophin und Ethikerin Barbara Bleisch wird an diesem Donnerstag in der Stadtkirche in Baden zu grossen Themen befragt. Doch die langjährige Moderatorin der «Sternstunde Philosophie» vermag ihre Gedanken klar und zugänglich zu formulieren. In der Bilanz sind sie alle ein Plädoyer für eine Haltung, die den sozialen Frieden stärkt: den Blick für Pluralität öffnen, Andersdenkende ernst nehmen, zuhören und die eigene Meinung auch mal hinterfragen und ändern. Das Publikum folgt aufmerksam und beteiligt sich im Anschluss mit zahlreichen Fragen. 

Die Reihe «DispuTalk» ist Teil der Feier «Disput(N)ation», die seit letztem Herbst in Baden läuft und noch bis in den Juni dauert. Insgesamt umfasst sie 18 Gespräche mit einigen prominenten Persönlichkeiten, etwa alt Bundesrat Moritz Leuenberger oder Esther Girsberger. Moderiert werden sie vom ehemaligen Boldern-Leiter Hans Strub. Nebst den Gesprächen gibt es Dutzende weitere Anlässe. 

Eine Feier für die Zukunft 

Im Zentrum dieser Feierlichkeiten steht ein Jubiläum, das auf ein konfliktreiches Kapitel der Schweizer Geschichte verweist, an das ein Bild auf der Tür des Badener Tagsatzungssaals erinnert: Die sogenannte Disputation zwischen altgläubigen und reformatorischen Kräften fand vor 500 Jahren in Baden statt. In der Auseinandersetzung um den «rechten» Glauben und die politische Ordnung setzten sich die reformatorischen Stimmen um Huldrych Zwingli nicht durch, die Spannungen in der Eidgenossenschaft verschärften sich. 

Wir müssen verschiedene Wahrheiten nebeneinander stehen lassen können.
Res Peter, reformierter Pfarrer und Organisator DisputNation

Und genau an diesem Punkt setzt Res Peter an. Der Pfarrer der reformierten Kirche Baden plus und Ideengeber der Disput(N)ation hat aus dem Ereignis, das für ihn ein bedeutender Schritt auf dem schwierigen Weg zum Religionsfrieden war, eine grosse Jubiläumsfeier gemacht. Nicht um die Geschichte zu verklären, sondern um die Kraft des Dialogs ins Zentrum zu rücken. «Wir feiern damit nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Denn die ist nur friedlich, wenn wir miteinander reden und verschiedene Wahrheiten nebeneinander stehen lassen können.» Wie dringlich eine solche Haltung sei, zeige die gegenwärtige bedrohliche Weltlage.

Die Disput(N)ation ist denn auch ein ökumenisches Projekt. Peter hat Claudio Tomassini, den katholischen Pfarreileiter, gleich zu Beginn ins Boot geholt. 

Guy Parmelin zu Gast 

Aus der Idee ist ein enorm breites und vielschichtiges Programm gewachsen, das im Mai, exakt 500 Jahre nach der damals dreiwöchigen Disputation, seinen Höhepunkt erreicht. Vorgesehen sind dann nebst vielen anderen Anlässen ein Friedenskonzert der Kammerphilharmonie Mannheim, ein zweitägiges Treffen mit Brüdern der ökumenischen Gemeinschaft Taizé sowie ein Festakt unter Beteiligung von unter anderem der EKS-Präsidentin Rita Famos, Bischof Felix Gmür und Bundesrat Guy Parmelin. Für viel Aufmerksamkeit dürfte auch das Format «Voll auf die 12» sorgen, an dem unter anderem der Schauspieler Gael García Bernal und die jemenitische Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman teilnehmen. «Fast alle, die wir anfragten, machen mit», sagt Peter. «Alle spüren die Notwendigkeit, sich für Frieden einzusetzen.» 

Disput(N)ation geht auf den Höhepunkt zu

Im Mai und Juni finden die Feierlichkeiten von Disput(N)ation ihre Höhe-punkte. Fast täglich finden Veranstaltungen statt: Musik, Ausstellungen, Tagungen, Spaziergänge mit prominenten Personen entlang der Limmat, Spiele, Spiritualität. Viel Publikum dürften das Friedenskonzert mit der Mannheimer Philharmonie am 10. Mai und der offizielle Festakt am 31. Mai anziehen. An Pfingsten gestalten Brüder aus Taizé einen «Tag wie in Taizé» für Jugendliche, junge Erwachsene und interessierte Ältere. Das Treffen dauert von So, 24., bis Mo, 25. Mai, in diesem Rahmen finden auch Workshops mit Priorin Irene Gassmann aus dem Kloster Fahr und Abt Urban Federer vom Kloster Einsiedeln statt. Stimmungsvoll wird die «Nacht der Lichter» in der Stadtkirche. Für die Teilnehmenden gibt es Übernachtungsmöglichkeiten. 

Alle Infos finden sich unter: www.disputnation.ch/programm