Ein Sommer neigt sich seinem Ende zu, in dem wohl allen klar geworden sein dürfte, dass etwas aus den Fugen geraten ist. Wiesen sind braun von der Trockenheit, Bauern bangen um ihre Ernte. Mindestens 70 Flüsse befinden sich auf einem Rekordtief, Dutzende Gletscher verschwinden. Die Spitäler melden deutlich mehr Herz-Kreislauf-Notfälle. Die Liste der beklemmenden Folgen dieses sehr heissen Sommers ist lang. Und sie zeigt deutlich: Der Klimawandel schreitet voran.
Paradoxerweise scheinen Umweltfragen von der politischen Agenda verschwunden zu sein, die grüne Welle ist verebbt. Selbst die Aktivistengruppe Letzte Generation hat sich aufgesplittert. Mit ihrem Alarmismus vermochte sie die Energiewende nicht zu erzwingen.
Nur die halbe Geschichte
Die Vorstellung, dass eine Weltordnung zerbricht und die Zukunft bedrohlich offen steht, ist uralt. Die Bibel erzählt wiederholt von solchen Momenten: In der alttestamentlichen Geschichte von der Arche Noah lässt Gott die Welt in der Sintflut ertrinken, der Apostel Paulus sieht sich in der Endzeit, in der Offenbarung zeichnet Seher Johannes ein grelles Untergangsszenario.
Die Texte erzählen jedoch auch, dass die Welt nicht beim Vergehen stehen bleibt, sondern eine bessere Welt möglich ist. Doch woraus Hoffnung schöpfen, wenn die Zeichen der Krise so deutlich sind, sich aber nichts zu ändert scheint?
Ralph Kunz knüpft an die biblische Überlieferung an, wenn er sagt, dass die Apokalypse aufdecke, «wie Mächte, Gewohnheiten und Gewalten Lebensgrundlagen zerstören». Sie offenbart, wozu Menschen fähig sind. Insofern passe das Adjektiv «apokalyptisch» zur aktuellen Situation, sagt der Theologieprofessor.
Darin sieht Kunz auch Potenzial für Veränderung. Wenn Menschen erkennen, wie abhängig sie von ihrer Mitwelt sind, kann die Wertschätzung für sie wachsen. Nur was man liebt, will man bewahren. Wer sich mit den Elementen, den Pflanzen und Tieren verbunden fühlt, hat das Bedürfnis, respektvoller mit der Umwelt umzugehen und achtsamer zu leben.
In der Aufwärtsspirale
Hoffnung ist für Kunz nicht die Erwartung, dass alles irgendwie gut kommt. «Hoffnung enthält einen Teil Trost und zwei Teile Trotz.» Gerade weil die Lage schwierig sei, gelte es an der Hoffnung festzuhalten.
