Ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren wird weltweit kontrovers diskutiert. So auch in der Schweiz. In einigen Ländern, Australien zum Beispiel, ist es bereits umgesetzt. Die Wirkung ist umstritten, denn Jugendliche finden oft Wege, das Verbot zu umgehen.
Auch der Medienpädagoge Eike Rösch hält wenig von einem Verbot der Plattformen für Jugendliche unter 16 Jahren und nennt Gründe. «Junge Menschen wachsen in einer Welt auf, in der die Social-Media-Plattformen dazugehören», so Rösch von der Radarstation, Fachstelle für Soziokultur und Digitalität. Und digitale Vernetzung und Kommunikation seien essenziell für Jugendliche.
Ganz ähnlich argumentiert auch die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Jugendverbände (SAJV) in einer Stellungnahme. Demnach anerkennt der Verband den Handlungsbedarf ausdrücklich an, warnt jedoch vor vereinfachenden Lösungen. Ein generelles Verbot sozialer Netzwerke wäre ausserdem schwer durchsetzbar und könnte Grund- und Kinderrechte berühren. Zugleich fordert die SAJV eine stärkere Beteiligung junger Menschen an digitalpolitischen Entscheidungen.
Alternative Plattformen thematisieren
Das könne auch im kirchlichen Unterricht geschehen, sagt Rösch, «etwa indem alternative Plattformen thematisiert werden, die es zu den weit verbreiteten gibt». Digitalität gänzlich aus der Jugendarbeit zu verbannen, wirke schnell ausschliessend und widerspreche damit dem Gedanken der Partizipation. Wer eine Jugendgruppe leitet, sollte sich eine digitalitätsbezogene Professionalität zulegen. Also sein Berufsverständnis und seine fachlichen Kompetenzen aktiv an eine Gesellschaft anpassen, die vom digitalen Wandel geprägt ist, rät Rösch.
Regulierung statt Verbot
Er wisse, dass ein Social-Media-Verbot aus Sicht einiger Eltern verlockend sei, «es gründet aber vor allem auf einer Überforderung». Doch Eltern hätten einen Erziehungsauftrag, und dazu gehöre, dass sie Jugendliche in ihrem medialisierten Aufwachsen begleiten.
Der Medienpädagoge setzt sich vielmehr für eine Regulierung der Plattformen ein. Zum Beispiel Angebote, hinter denen keine «Dark Patterns», manipulative Designs, die Nutzende zu etwas aufforden, was sie gar nicht wollen, stehen. Oder Alterseinstellungen, die vorab angeklickt werden können, und klare Wege, um problematische Inhalte zu melden. Auch der Umstieg auf alternative Plattformen, die ganz ohne Algorithmen auskommen, ist eine Variante.
