«Im Programm écolsiv werden unsere Werte erfahrbar»

Bildung

Das Institut Unterstrass bildet kognitiv beeinträchtigte Menschen für pädagogische Tätigkeiten in Schulen aus. Direktorin Eva Ebel über die Erfahrungen mit dem inklusiven Angebot.

Am Institut Unterstrass machen Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen ein Hochschulstudium. Geht das überhaupt?
Eva Ebel: Unsere écolsiv-Studierenden absolvieren keine Ausbildung mit fixen Leistungsanforderungen, sie erhalten auch kein Lehrdiplom. Das Programm ist als Portfolio-Ausbildung angelegt. Deren Ziel: die Fähigkeiten einer Person erkennen, sie fördern und herausfinden, wie sie diese später im Schulalltag einbringen kann. 

Was hat sich für die Hochschul-Dozierenden mit écolsiv verändert?
Wir Dozierenden sind gefordert, unseren Unterricht vielfältiger zu gestalten und didaktisch Neues auszuprobieren. Standard und Qualität der Ausbildung sind nach wie vor gleich. Durch alternative Zugänge wie Filme oder digitale Formate ist die Wissensvermittlung jedoch breiter geworden. Diese Öffnung wurde durch die écolsiv-Studierenden angestossen, kommt aber auch allen anderen zugute. 

Weil die Studierenden nicht offiziell anerkannt sind, erhalten wir für sie keine staatliche Unterstützung.

Wie finanziert sich das Programm?
Weil écolsiv-Studierende nicht offiziell anerkannt sind, erhalten wir für sie keine staatliche Unterstützung. Wir finanzieren die Studienplätze im Rahmen unseres regulären Budgets sowie durch externe Zuwendungen und Spenden.

Das Institut Unterstrass wurde ursprünglich als evangelisches Lehrerseminar gegründet und wird von der reformierten Kirche mitge-tragen. Was ist heute das Evangelische am Institut?
Es zeigt sich in unserer klaren Haltung, wenn es um die Würde jedes einzelnen Menschen geht, um Partizipation, Gleichwertigkeit  und Gerechtigkeit. Diese Werte werden im Programm écolsiv konkret erfahrbar gemacht. Anders als an der Pädagogischen Hochschule Zürich ist bei uns zudem das Fach «Religionen, Kulturen, Ethik» obligatorisch. 

Weshalb?
Wir verstehen Bildung als Auseinandersetzung mit den relevanten Fragen unserer Welt. Dazu gehören auch religiöse, ethische und philosophische Fragen. Diese Kompetenzen sollen die angehenden Lehrpersonen erwerben, um mit Kindern mit unterschiedlichen Hintergründen respektvoll, reflektiert und fachlich fundiert über existenzielle Themen sprechen zu können, unabhängig vom eigenen Glauben. Dazu gehört, dass man sich seiner eigenen Prägung bewusst ist. Nur so gelingt es, verantwortungsvoll Stellung zu beziehen, wenn es um Religionsfreiheit, Diskriminierung, Menschen- rechte und Rechte von Kindern geht.

Eva Ebel ist Theologin und Gymnasiallehrerin, Direktorin von Gymnasium und Institut Unterstrass und Dozentin für die Didaktik des Faches Religionen, Kulturen, Ethik am Institut Unterstrass.