Ein Ort zum Ankommen und Durchatmen

Integration

Im Heks-Garten in Baden-Rütihof ziehen geflüchtete Menschen und Freiwillige Tomaten, Kürbisse und vieles mehr. Dabei wachsen Gemeinschaft, Selbstvertrauen und neue Kontakte.

Auf den Dorfstrassen von Baden-Rütihof ist an diesem Morgen Ende Juli keine Menschenseele zu sehen. Die Sonne brennt vom Himmel, Rollläden und Fensterläden sind dicht. Viele Bewohner sind vermutlich in den Ferien.
Umso lebendiger wirkt der grosse Gemüsegarten des Hilfswerks der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (Heks) neben dem Gemeinschaftszentrum Arche. Mit bunten Giesskannen laufen Frauen, Männer und Kinder zwischen den Beeten hin und her. Sie plaudern auf Persisch, Kurdisch, Tigrinya, Albanisch und Deutsch, während sie am Brunnen Wasser nachfüllen. 

Ein Stück fruchtbarer Alltag

In die Ferien können zahlreiche von ihnen nicht reisen, oft noch jahrelang nicht. Sie haben ihre Heimat in der Türkei, Albanien, Eritrea oder im Iran verlassen und warten auf eine Aufenthaltsbewilligung,  manche haben sie bereits erhalten. Mit dabei sind auch einige Schweizerinnen, die als Freiwillige Beete mitpflegen und damit Gelegenheiten ermöglichen, Deutsch zu üben.

Hayrettin ist erst seit Kurzem in der Schweiz. Seit etwa drei Monaten kommt der Türke jeden Dienstag und Freitag her und zieht Tomaten, Kürbisse und Petersilie. Gerade bindet er üppig wachsende Bohnen an Bambusstangen fest. Mit ein paar Brocken Deutsch erzählt er, dass er in seinem Heimatdorf alles Gemüse selbst anbaute. Mit leuchtenden Augen zeigt er auf den Garten und hebt den Daumen: «Super!» 

Wegen unserer Situation bin ich ständig sehr gestresst. Hier kann ich meinen Kopf auslüften.
Ariola, aus Albanien geflüchtet

Das Beet gegenüber sieht etwas magerer aus. Ariola aus Albanien hat seit einem Teilzeitjob bei McDonald’s wenig Zeit für ihren Garten. Seit fünf Jahren lebt sie mit Mann und Kindern in der Schweiz, noch immer ist offen, ob sie bleiben dürfen. In fliessendem Deutsch sagt sie: «Wegen unserer Situation bin ich ständig sehr gestresst. Hier kann ich meinen Kopf auslüften.»

Die treibende Kraft hinter dem Gartenprojekt ist Viviana Acquaroni. Die Gartenfachfrau koordiniert die Heks-Gärten in Baden-Rütihof und Aarau. Sie verteilt die Beete, steht in Kontakt mit den Freiwilligen, berät bei der Bepflanzung und hat stets ein offenes Ohr für alle.

Bewässern wie in Afghanistan

In der Pause sitzen alle gemeinsam im Schatten von Bäumen, knabbern frisch geerntete Gurken und Kekse. Acquaroni erzählt, warum der Garten mehr ist als ein Ort, um Obst und Gemüse selber zu ziehen: «Ich erlebe immer wieder, wie die Gartenarbeit den Menschen guttut. Es ist für sie wichtig, etwas Eigenes zu haben, das sie betreuen können und das sich entwickelt.» 

Ich erlebe immer wieder, wie die Gartenarbeit den Menschen guttut. Es ist für sie wichtig, etwas Eigenes zu haben, das sie betreuen können und das sich entwickelt.
Viviana Acquaroni, Koordinatorin Heks-Garten

Und das stärke unter anderem ihr Selbstvertrauen. . Einige trauten sich anfangs kaum allein mit dem Bus hierher, doch plötzlich kämen sie irgendwann mit dem Velo herbeigeradelt. Das Geld reicht in der Regel nur für eine Busfahrt pro Woche. Auch im Winter bleibt die Gemeinschaft bestehen: Dann finden gemeinsame Aktivitäten in der Arche und der nahen Umgebung statt, etwa gemeinsames Kochen oder ein Besuch in der Bibliothek.
In Heks-Gärten, von denen es im Aargau vier gibt, lernen alle voneinander. Regula, eine der Freiwilligen, zeigte etwa, wie man Mischkulturen anlegt. Afghanen machten vor, wie sie in ihrer Heimat Pflanzen bewässerten, um Wasser zu sparen – ein Thema, das in diesen heissen Wochen besondere Brisanz erhält. 

Erntedankgottesdienst im Heks-Garten

Am Sonntag, 27. September, 10.30 Uhr, findet im Heks-Garten bei der Arche Rütihof ein ökumenischer Gottesdienst statt. Danach Teilete, alle bringen etwas fürs Buffet mit. 

In Heks-Gärten, von denen es im Aargau vier gibt, lernen alle voneinander. Regula, eine der Freiwilligen, zeigte etwa, wie man Mischkulturen anlegt. Afghanen machten vor, wie sie in ihrer Heimat Pflanzen bewässerten, um Wasser zu sparen – ein Thema, das in diesen heissen Wochen besondere Brisanz erhält. 

Für die Iranerin Zahra und ihren elfjährigen Sohn Amin ist der Garten auch ein bisschen Ferienprogramm. Amin würde zwar am liebsten jeden Tag Fussball spielen, doch für die Wassermelonen, die er aus Samen gezogen hat, trägt er die Verantwortung. «Sie sind ja auch eine Art Ball», grinst er. «Aber kicken darf ich sie nicht.