Als mit dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Bauverwalterin 2019 das Lernen wegfiel, suchte sich Schäfer eine neue Herausforderung. So fand sie den Schreibservice. Sie hoffte dort auf die Gegelenheit, «meine Vorbehalte zu ergründen und sie vielleicht abzubauen».
Am liebsten am Limit
Grenzen auszuloten, gefällt Schäfer. Auch in ihrem Beruf wolle sie für ihre Kundinnen und Kunden das Optimum aus den Baureglementen herausholen. Und auch im Sport geht sie am liebsten ans Limit. Sie fährt Mountainbike und fährt mit dem Trekkingvelo bis ans Mittelmeer, sie überquert zu Fuss die Alpen und nimmt an Langstreckenwettkämpfen teil. «Ich bin immer neugierig, ob ich es schaffe.»
Ihre letzte Herausforderung war ein zweimonatiger Einsatz in Uganda letztes Jahr. In einem Dorf half sie, einen Wasserturm und eine Solaranlage zu bauen. Sie betonierte, armierte und hob Gräben aus.
So robust Schäfer auch ist, so versteckt sie ihre feinen Seiten nicht. Schon äusserlich wirkt sie nicht wie die abenteuerlustige Person, die sie ist. Die zierliche Frau kleidet sich elegant und dezent, spricht ruhig, eher leise, denkt oft länger nach, bevor sie antwortet. Dieser Wesenszug sei ihr ebenso wichtig wie die Fähigkeit, anzupacken.
Immer eine neue Geschichte
Inzwischen hat der Schreibservice geöffnet. Schon nach kurzer Zeit ist das Foyer mit wartenden Hilfesuchenden gefüllt. Alle Freiwilligen sind bereits bei der Arbeit. An Schäfers Tisch hat ein junger Mann Platz genommen, er spricht gebrochenes Deutsch. Sie hilft ihm, am Mobiltelefon ein Formular auszufüllen, und druckt es dann für ihn aus.
Auf wen Schäfer bei ihrem Einsatz trifft, weiss sie nie. Sie hat ihre Vorurteile gegenüber fremdländischen Menschen inzwischen revidiert. Es gebe schon solche, die vor allem profitieren wollten, sagt sie zwar. «Doch viele bemühen sich echt und haben eine schwierige Reise hinter sich.» Sie habe gelernt, unvoreingenommen zu sein, statt in Klischees zu denken. «Man weiss ja nie, welche Geschichte hinter einem Menschen steckt.»