Es ist heiss, über 30 Grad. Starker Wind wirbelt Staub des trockenen Ackerbodens durch die Luft. Derselbe Wind trägt in unregelmässigen Schüben donnernde Heavy-Metal-Klänge von mehreren Seiten ans Ohr. Tausende Musikfans strömen in Richtung zweier grosser Bühnen. Mittendrin befinden sich zwei Personen mit leuchtend blauen Westen und der Aufschrift «Seelsorge».
Die beiden fallen auf unter den mehrheitlich schwarz gekleideten Besucherinnen und Besuchern des Open Airs im norddeutschen Wacken, die an der Einlasskontrolle zum sogenannten «Infield», dem Herzen des Festivalgeländes, anstehen. Es dauert nicht lange, bis die beiden angesprochen werden. Franziska trägt Cap und schwarzes T-Shirt und mindestens ein Dutzend Piercings im Gesicht. Der breitschultrige Holger mit dem Strohhut auf dem Kopf gesellt sich neugierig dazu.
Brachial und achtsam
Es gibt so einige Klischees über Fans von Metal-Musik. Trinkfreudig seien sie, trügen immer dunkle Kleidung und viele Tattoos. In den Anfängen des Genres rückte die übrige Gesellschaft sie in die Nähe des Satanismus oder dichtete der Szene zumindest ein düsteres, böses Naturell an. Vorurteile, über die man heute nur noch schmunzeln kann.
