Im September findet eine Tagung mit dem Titel «Welcher Gott darf’s denn sein?» statt. Warum braucht es die Frage nach dem Gottesbild gerade jetzt?
Dörte Gebhard: In den bisherigen Reformdebatten hat sich vieles sehr schnell auf Finanz- und Strukturfragen verengt. Was mir fehlt, ist das Gespräch über die eigentlichen Grundfragen: Was ist Kirche überhaupt, woran glauben wir, was begeistert uns, weshalb sind wir dabei, warum lesen wir in der Bibel? Solche Diskussionen sind längst überfällig. Mir ist in all den Sitzungen und Diskussionen kaum etwas begegnet, was Aufbruchstimmung ausgelöst hätte. Dabei zeigt die Kirchengeschichte doch, dass Erneuerungen immer geistlich und theologisch motiviert waren und nicht zuerst organisatorisch. Genau deshalb ist es wichtig, jetzt über Gottesverständnisse, über die Bibel und über das zu reden, was uns im Innersten trägt.
Die Reform wurde lanciert, weil den Kirchen das Geld ausgeht. Ist das nicht ein legitimer Grund, die Strukturen zu hinterfragen und neu zu denken?
Doch. Aber ich hätte mir mehr Klarheit gewünscht. Dass man am Anfang kurz gesagt hätte, dass die Kirche unter einem enormen Spardruck steht und man nun schauen muss, wie man sparen kann, ohne es mit gut klingenden Marketingbegriffen wie «Exnovation» zu beschönigen. Jetzt konzentriert sich der Reformprozess auf das Zusammenlegen der Kirchgemeinden. Fusionen sehe ich aber nicht als Heilmittel gegen die finanzielle Enge.
Sondern was noch?
Es gibt auch andere Wege, an Gelder zu kommen, zum Beispiel Förderkonten, wie sie einige Kirchgemeinden bereits erproben, etwa Leutwil-Dürrenäsch, Oftringen und wir in Schöftland. Wir können damit nicht grosse Projekt anstossen, aber entscheidende, etwa das Sommerlager für Jugendliche. Die Landeskirche Basel-Stadt zeigt auch, wie viele Pfarrstellen inzwischen über Spenden mitfinanziert werden. Da sollten wir viel mehr Energie hineinstecken, um das, was uns wichtig ist, erhalten und ausbauen zu können.
