Sie arbeiten an einem Forschungsprojekt «Theologie des Himmels». Was soll das bedeuten?
Matthias Wüthrich: Die Astronomie macht immer wieder Entdeckungen und zeigt uns Bilder wie etwa jene des James Webb Teleskops, die mich staunen lassen – auch wenn ich nur einen Bruchteil davon verstehe. Gleichzeitig beobachte ich, wie der Himmel immer mehr politisiert und ökonomisiert wird.
Was verstehen Sie unter einem «politisierten und ökonomisierten» Himmel?
Die Dichte der Satelliten, die um die Erde kreisen, hat in den letzten Jahrzehnten enorm zugenommen – auch für militärische Zwecke. In wenigen Jahren werden laut Experten Weltraumfabriken entstehen, insbesondere zur Herstellung von Medikamenten und pharmazeutischen Produkten. Vor allem China und die USA sowie private Firmen liefern sich einen Wettlauf zum Mond, und Elon Musk möchte mittelfristig Menschen mit SpaceX zum Mars fliegen… Um es etwas zu schön zu sagen: Es herrscht eine intensivierte, ausgreifende Betriebsamkeit im erdnahen Himmel!
Und wo ist die Theologie dabei?
Da der Himmel ein zentrales Thema der biblischen Schriften bildet und sich die Theologie seit ihren Anfängen mit dem Himmel auseinandergesetzt hat, liegt es für mich auf der Hand, vor dem Hintergrund all dieser aktuellen Entwicklungen noch einmal neu über den Himmel nachzudenken.