Das Modell Zachäus wäre besser als eine Anklage

Kommentar

Nicht immer gibt die Bibel die Antwort, die man von ihr erwartet. Das gilt auch mit Blick auf die Initiative, die Klagen gegen im Ausland produzierende Firmen ermöglichen will.

Der Abstimmungskampf im Herbst wird emotional. Beide Seiten werden mit Negativklischees operieren. Hier stehen die «Multis» am Pranger, die mit Minenbaggern Menschen von ihrem Land vertreiben, Flüsse und Luft verschmutzen und kaum Steuern in den Ländern des Südens zahlen. Dort idealistische «Naivlinge», die «Gutmenschen», die mit gesetzlichen Hindernissen den Wirtschaftsmotor abwürgen wollen.

Und mitten impolarisierten Ringen stecken die Kirchen. Menschenwürde, Nächstenliebe, Schutz des Schwächeren: Christliche Kernthemen sind mit der Frage der Konzernverantwortung verknüpft. Schon haben sich 20 Prozent aller Kirchgemeinden der Plattform «Kirche für Konzernverantwortung» angeschlossen.

Néstle und das Wasser

Die Bibel scheint in der Frage der Konzernverantwortung nur eine Antwort zu kennen. Aber so eindimensional ist sie nicht. Ein Beispiel liefert Jesus selbst mit dem  Modell Zachäus. Er verwickelt den korrupten Zöllner ins Gespräch, unbeirrt vom kritischen Gerede der Menschen um ihn herum. Im Dialog mit allen zu sein, das steht einer vielstimmigen Volkskirche gut an.

Den Dialog suchte die Kirche vor Jahren mit Nestlé am Rand des Weltwirtschaftsforums zum Thema Wasser. Es harzte, knirschte. Aber die Botschaft von Nichtregierungsorganisationen und Kirchen kam verzögert auf der Chefetage des Nahrungsmultis an. Er versuchte  in letzter Minute, den Ständerat zu einem griffigen Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative zu bewegen.

Das befreiende Gespräch

Wie erfolgreich das Modell Zachäus sein kann, lässt sich in der Bibel nachlesen: Zum Schluss hat das befreiende Gespräch mit Jesus den Zöllner zum Helfer der Armen gemacht. Menschenrechte sollten in letzter Instanz juristisch einklagbar sein. Aber am Anfang steht das Wort, der respektvolle Dialog.