US-Präsident Donald Trump hat Papst Leo XIV. jüngst in den sozialen Medien stark angegriffen. Der Papst sei «schrecklich» in Bezug auf Aussenpolitik und «schwach» im Umgang mit Kriminalität. Was war Ihr erster Gedanke?
Massimo Faggioli: Ich war von der Sprache und vom Stil überrascht. Wir sind derartige Posts von Trump gewöhnt. Aber im Umgang mit Papst Franziskus hatte er einen gemässigten Ton gewählt. Auch war es kein Ausrutscher, Trump und Vizeminister JD Vance äusserten sich in den Tagen darauf ähnlich. Das zeigt, dass sich Differenzen angesammelt hatten. Dazu kommt: Mit Papst Leo und Donald Trump treffen sehr unterschiedliche Menschentypen aufeinander. Trump hat eine Undiszipliniertheit, die Leo völlig fremd ist. Augustinern ist es wichtig, Gefühle zu kontrollieren.
Immer wieder schon gab es Differenzen zwischen US-Präsidenten und dem Papst, etwa mit Blick auf den Irakkrieg. Was ist jetzt anders?
2003 versuchten die USA den Krieg international zu legitimieren. Aber der Heilige Stuhl konnte auf die üblichen diplomatischen Werkzeuge zurückgreifen. Es gab Treffen im Weissen Haus mit Gesandten aus Rom und US-Bischöfen. Ein diplomatisches Ritual und Argumente, die offengelegt wurden. Nun sind wir in einem Zeitalter, in dem Diplomatie über soziale Medien läuft. Und noch etwas ist anders geworden.
Was?
2003 war es Präsident George Bush wichtig, dass der Irakkrieg nicht als Kreuzzug gegen Muslime wahrgenommen wird. Heute gibt es Leute im Weissen Haus und bei den Republikanern, die den Irankrieg damit begründen, dass der Islam die «falsche» Religion sei. Aus Sicht des Vatikans ist das extrem gefährlich.
