Eine Begegnung in ihrer Schulzeit war es, die Marianne Vogt-Amstutz zu ihrem Lebensthema führen sollte: Marianne kam vom Unterricht nach Hause. Vor dem Bauernhaus am Bach standen ein VW-Bus und zwei fremde Männer. «Sie zeigten mir ein Foto, auf dem unser Haus zu sehen war. Weil sie Englisch sprachen, verstand ich nur einen Namen: John Miller.»
Später erfuhr sie, dass die Amerikaner das ehemalige Zuhause ihres Grossvaters Johann Müller besuchen wollten. Vom Leben des Sägers Müller und von anderen Auswanderergeschichten des 19. Jahrhunderts berichtet Vogt in ihrem Buch «Von Sigriswil nach Amerika», das im Juli erscheint. Es ist ihr erstes Buch – und, wie die 72-Jährige lachend betont, «sicher mein letztes».
Aus Amstutz wird Olmstead
Marianne Vogt schlägt ein Album auf, das vor ihr auf dem Stubentisch liegt. Darin haben sich Gäste verewigt, die in den Dörfern oberhalb des Thunersees nach familiären Wurzeln suchten. Der Familienname Amstutz kommt sehr häufig vor – oder «Olmstead», in einer amerikanisierten Variante. Auf den Fotos lachen Paare, Grossfamilien oder junge Rucksacktouristen in die Kamera. «Wenn ich ihnen das Haus oder das Land ihrer Vorfahren zeigen konnte, war das für beide Seiten emotional», sagt Vogt.
Weil sie im Lauf der Jahre zur Ahnenforscherin der Gemeinde geworden ist, wird sie rasch kontaktiert, wenn Touristen auf der Gemeindeverwaltung anklopfen oder suchend auf dem Friedhof stehen.
Als junge Lehrerin zog Marianne Amstutz selber hinaus in die Welt. Sie unterrichtete drei Buben, die mit ihren Eltern auf einem Missionsschiff lebten. Zwei Jahre war sie auf See und lernte auf dem Schiff ihren künftigen Mann kennen. Und ein amerikanisches Ehepaar. Rasch stellte sich heraus, dass Mr. und Mrs. Amstutz Vorfahren aus Sigriswil hatten. «Sie fragten mich, ob ich wohl mehr über ihre Familiengeschichte herausfinden könnte.»
