Sanft und radikal auf dem pflanzlichen Weg

Landwirtschaft

Jann Krättli bauert vollständig ohne Tiere und tierischen Dün­ger. Er lebt es konsequent vor, aber Missionieren ist nicht seine Sache.

Ein Apriltag im August: Mal scheint hell und warm die Sonne, dann ziehen rasch graue Wolken auf und lassen Schauer über den Hügeln bei Rechthalten im freiburgischen Sensebezirk niedergehen.

Jann Krättli sitzt im kleinen Bauernhaus in der kühlen Stube mit Holzboden, Holztisch und prallvollen Bücherregalen. Bedächtig berichtet der Bauer, wie er zur Politik und zum Veganismus kam: «Bereits mit 17 Jahren, durch die Punkmusik.»

Damals besuchte er das Gymnasium in Chur und fand Gleichgesinnte, die jegliche Gewalt gegen Tiere ablehnten und gegen das WEF demonstrierten. Jetzt, mit 45 Jahren, ist beim Mann mit der ruhigen Ausstrahlung, der Faserpelzjacke und den zusammengebundenen langen Haaren manches anders. Geblieben aber ist die persönliche Haltung zum Umgang mit Tieren.

Vielfalt auf kleinem Raum

Jann Krättli und seine Partnerin Nadia Ruchti bewirtschaften drei Hektaren Land um den Tannacker-Hof, den Ruchtis Grosseltern einst betrieben. Bloss fehlen heute die drei Kühe und andere Tiere, und die Bewirtschaftung erfolgt ohne tierischen Dünger: Der Betrieb ist jetzt sogenannt bio-vegan.

Man kann Tiere unterschiedlich halten. Aber es ist immer eine Form von Gewalt.

Zur Hälfte ist die ohnehin kleine Fläche von Ökowiesen bedeckt. Hecken mit ebenfalls genutzten Wildbeeren bilden natürliche Grenzen und Abschnitte, Obstbäume stehen in Wiesen, Asthaufen bieten kleinen Wildtieren Unterschlupf, hier und dort wachsen diverse Beerensträucher und essbare Blumen.

Nur auf dem kleinen Teil von 30 Aren, dem Zehntel der Gesamtfläche, bauen Krättli und seine Mitarbeitenden Gemüse und Kräuter an. Ihre Nische sind Produkte, die viel Handarbeit verlangen: Salate, Bohnen, Kräuter, Wildpflanzen, fast alles in Direktvermarktung.

«Wegen der Nachhaltigkeit gehen wir weit über die Richtlinien von Bio Suisse hinaus», sagt Krättli. Auf dem Tannacker würden keine Insektizide und nur Dünger vom Hof selbst verwendet: Kompost, Grasschnitt und anderes Grüngut.

Tiere halten ist unnötig

Jann Krättli selbst ernährt sich seit bald 30 Jahren konsequent vegan. Tiere zu halten und zu essen, findet er unnötig. «Klar kann man Tiere sehr unterschiedlich halten. Aber letztlich ist es immer eine Form von Gewalt. Wir haben die Möglichkeit, uns auch anders zu ernähren.»

Doch bei aller Radikalität, die Krättli im eigenen Handeln umsetzt, wirkt er nicht missionarisch. Er betont: «Auch wenn ich persönlich Mühe hätte, schon nur drei Kühe zu halten, verurteile ich niemanden, der dies tut.» Viel lieber mache er selbst das, was er gut finde.

Ich merkte, dass ich etwas tun musste, für das ich rauskann. Immer drinnen zu sein, tut mir nicht gut.

Der frühere Antiglobalisierungsaktivist scheint ohnehin nicht die einfachen Wege zu suchen. Nach der Matura begann er in Bern Soziologie zu studieren, «ein Semester und eine Woche», wie er lachend sagt. Aktivismus, Politik und Jobs etwa in einem Bioladen waren ihm wichtiger.

«Ich merkte, dass ich etwas tun musste, für das ich rauskann. Immer drinnen zu sein, tut mir nicht gut.» Obwohl er als Kind nicht einmal mit Garten, geschweige denn auf einem Bauernhof aufgewachsen war und ihm Schulisches und Theoretisches immer leichtfielen, habe es ihm bei einem Praktikum auf einem Biohof «völlig den Ärmel reingenommen».

Effizienter werden und wegkommen von Verbrennungsmotoren

Erst mit 30 machte er die Ausbildung als Gemüsegärtner. Gleich danach, im Jahr 2010, konnten Nadia Ruchti und er den Hof übernehmen. Das Einkommen aus dem Ertrag ist knapp, reicht aber zum Leben. Zufrieden ist Krättli jedoch noch nicht ganz: «Ökonomisch wirft die Arbeit zu wenig ab. Und bei der Mechanisierung möchte ich ganz wegkommen von Verbrennungsmotoren.»

Zwar gibt es auf dem Tannacker nicht einmal einen Traktor, für das Maschinelle reicht zumeist ein Einachser. Doch Jann Krättli geht seinen Weg unbeirrt weiter. Denn es ist sein Lebensweg.