Frauen und auch viele Männer reiben sich immer öfter die Augen, wenn sie auf die Bühne der Weltpolitik blicken. Demokratische Strukturen, Menschenrechte und frauenpolitische Errungenschaften werden skrupelloser als auch schon und immer häufiger mit Füssen getreten.
Erleben wir gerade ein Wiedererstarken des Patriarchats? Das fragen sich nicht nur Feministinnen. “Nein,” sagte klar und deutlich die deutsche Politologin Antje Schrupp Ende Februar an der Vernissage ihres neuen Buchs «Postpatriarchales Chaos» in der Paulus Akademie in Zürich.
Dass es sich bei der antifeministischen, antidemokratischen und antifreiheitlichen Reaktion moderner Gesellschaften um eine Rückbesinnung auf alte Traditionen handle, sei ein rechtspopulistisches Narrativ. «Im Patriarchat gab es Regeln, Werte und ein kohärentes Weltbild, denen sich auch die Patriarchen untergeordnet haben», so Schrupp. «Im Postpatriarcahat erleben wir eine neue Form von Herrschaft.» Sie nennt die Gegenwart postpatriarchal-chaotisch.
Während eineinhalb Stunden liest die Autorin und Journalistin, die seit vielen Jahren für die feministisch-theologische Zeitschrift Fama schreibt, im nahezu voll besetzten Saal aus ihrem neusten Buch. Dazwischen diskutiert sie mit dem Publikum, mehrheitlich Frauen aus feministischen und kirchlichen Kreisen, ihre Thesen.
Wortgewandt und mit Sinn für Humor prangert sie das rücksichtslose Dominanzgehabe einer «Bro-Culture» im Stile der Tech-Milliardäre Elon Musk oder Peter Thiel und US-Präsident Donald Trump an. Dieses setze auf eine ungeregelte Herrschaft des Stärkeren, kenne weder Werte noch Grenzen und funktioniere nach dem Prinzip von «Nimm, was du kriegen kannst, und gib nichts zurück».
