Glaube 06. Juli 2026, von Vera Rüttimann/Kirchenbote

Anders als Köln

Tourismus

Der Kölner Dom macht es neu, das Zürcher Fraumünster schon länger: Sie verlangen Eintritt. Eine Umfrage zeigt, die meisten gut frequentierten Kirchen suchen einen anderen Weg.

Fünf Franken kostet der Besuch im Zürcher Fraumünster. Wer nur beten will, darf die Kirche gratis betreten. Das Modell hat Debatten ausgelöst. 

Seit dem 1. Juli verlangt auch der Kölner Dom zwölf Euro Eintritt. Westminster Abbey, Saint Paul’s Cathedral und der Berliner Dom kennen solche Gebühren längst. 

Doch in der Schweiz bleibt das Fraumünster die Ausnahme. Das wird auch so bleiben. Eine Umfrage des «Kirchenboten» bei den grössten reformierten Münstern der Schweiz ergibt ein klares Bild: Die Türen bleiben offen – und zwar für alle, unabhängig vom Portemonnaie.

Nur der Turm kostet

Christian Walti, Pfarrer am Grossmünster in Zürich, ist unmissverständlich. Über 500‘000 Besucherinnen und Besucher zählt seine Kirche pro Jahr. Christian Walti hat die Diskussionen um Eintrittspreise im Fraumünster nur wenige Luftlinienmetern vom Grossmünster entfernt mitverfolgt. Das Fraumünster ist mit seinen Chagall-Fenstern ein Touristenmagnet. Hinzu kommen Konzertgäste, Orgelschüler und Gemeindemitglieder. 

Das sei koordinatorisch herausfordernd, sagt Walti, aber ein Eintrittsgeld kommt für ihn nicht infrage: «Ich würde mich stark wehren, wenn wir einen Eintritt einführen müssten.» Einzig die Besteigung des Karlsturms kostet etwas.

Von der Kirche zum Museum

In Basel ist die Ablehnung grundsätzlicher Natur. Kirchenratspräsident Lukas Kundert sieht im Eintrittsmodell des Fraumünsters eine konzeptionelle Weichenstellung, weg von der Kirchgemeinde hin zum Museum. Die Gemeinde sei dort nur noch Gast. Für das Basler Münster will er das nicht: «Das Münster ist eine lebendige Gemeindekirche für die ganze Region.» Die Gemeinde sei nicht ausnahmsweise zu Gast, sondern bespiele das Münster unter der Woche täglich und am Wochenende intensiv mit mehreren Veranstaltungen. «Ein Eintrittssystem würde den Charakter des Münsters stark verändern.» Zudem wären bauliche Anpassungen nötig.

Ähnlich tönt es in Bern. Das Münster verstehe sich als Kirchenraum und Kulturdenkmal zugleich, sagt die Kommunikationsverantwortliche Carmen Hess. Der freie Zugang sei Prinzip, egal ob jemand aus touristischem, kulturellem oder persönlichem Interesse komme.

Schaffhausen setzt Zeichen

In Schaffhausen hat der Kirchenstand die Frage kürzlich explizit geregelt: kein Eintritt. Auslöser war die Anfrage eines Festivalveranstalters, der an der Kirchentür hätte kassieren wollen. Ute Nürnberg begründet die Absage mit dem Charakter der Gebäude: «Es sind Kulturdenkmäler im Besitz der Stadt, täglich von Einzelpersonen, Touristen und Reisegruppen aufgesucht.» Auch die Hofkirche in Luzern halte am freien Eintritt fest, erklärt der leitende Priester Ruedi Beck auf Nachfrage.

Im Kloster Einsiedeln beantwortet Pater Philipp Steiner die Frage mit einem knappen Nein und einem Verweis auf das Selbstverständnis der Benediktiner: «Gastfreundschaft gehört zu unserem Charisma.» Den Unterhalt der barocken Klosterkirche finanziert der Orden mit öffentlichen Geldern und dem Opferstock. Natürlich, so Pater Philipp Steiner, sei es eine Herausforderung, den Unterhalt der Klosterkirche zu stemmen. Dafür erhält die Ordensgemeinschaft öffentliche Gelder. Pater Philipp Steiner sagt: «Wir sind jedoch dankbar für jeden, der etwas in den Opferstock reinwirft zur Unterstützung der Klosterkirche. Das ist auch ein Zeichen der Wertschätzung.»

Mehr als eine Sehenswürdigkeit

Wie die Antworten der angefragten Kirchen zeigen, steckt hinter der Debatte um Eintrittspreise eine grundsätzlichere Frage: Was sind diese Räume eigentlich – Gotteshäuser oder Sehenswürdigkeiten? Die Kirchen selbst wollen beides sein, aber keine Museumskasse aufstellen.