Ein kleiner Weiler im Unterwallis wurde am 1. Juli Schauplatz katholischer Kirchengeschichte. Die Piusbruderschaft weihte in Ecône vier Bischöfe. Gegen den ausdrücklichen Willen des Vatikans. Damit provozierte die erzkonservative Gemeinschaft, die sich 1970 um den französischen Erzbischof Marcel Lefebvre formiert hatte, den Ausschluss aus der katholischen Kirche. Beobachter sprechen vom grössten Schisma seit der Reformationszeit.
Eine Bischofsweihe ohne den Segen des Vatikans hat nach katholischem Kirchenrecht automatisch die Exkommunikation zur Folge. Eingeführt wurde die Regel bereits vor gut 70 Jahren, als das kommunistische China versuchte, mit systemtreuen Klerikern eine katholische Nationalkirche aufzubauen.
Judenfeindliche Ideologie
Die Piusbrüder verstehen sich als Gegenbewegung zum Zweiten Vatikanischen Konzil und inszenieren sich als Vertreter der reinen Lehre. So halten sie an der judenfeindlichen Ideologie fest, dass die Juden Jesus ans Kreuz ausgeliefert hätten und deshalb «Gottesmörder» seien. Auch die Ökumene lehnen sie ab, denn Christinnen und Christen, die anderen Konfessionen angehören, sind für sie Ungläubige. In der Liturgie setzen die Piusbrüder weiterhin auf die alte tridentinische Messe: Der Priester betet auf Lateinisch mit dem Rücken zur Gemeinde.
