So abwegig diese Kinderfrage auch klingen mag – sie hat durchaus ihre Berechtigung. Gemäss ethnologischen Studien ist die Vorstellung seit alters weltweit verbreitet, dass sich die Verstorbenen weiterhin ernähren müssen und auch Genussmittel gerne annehmen. Denn der Tod beendet die Beziehung zwischen Menschen nicht, er verändert sie nur.
Bei den Indigenen der Anden werden Schnaps, einige Blätter Koka, Kleider, Essen und persönliche Gegenstände als Hilfe für die Seelenwanderung ins Grab gegeben. In Indonesien werden in aufwendigen Zeremonien Büffel geschlachtet und Reis bereitgestellt. Für die Verstorbenen wird alles getan, damit sie den Aufstieg zum Obergott schaffen und ihr Leben bei den Ahnen fortsetzen können. So steckt man für die Totenspeisung etwa eine Röhre auf Kopfhöhe ins Grab, damit die Toten die flüssigen Speisen wirklich aufnehmen können. Offenbar definieren wir Menschen uns massgeblich über unseren Körper und können uns schwerlich ein Leben ohne ihn vorstellen.
So lässt sich die Kinderfrage «Essen Tote auch Nutella?» in einer frühen Entwicklungsstufe des menschlichen Bewusstseins
ansiedeln. In ihrer Entwicklung durchlaufen Kinder alle bisherigen Bewusstseinsstufen, welche Teile der Menschheit bereits durchgemacht haben: nämlich magisches, mythisches und rationales Erleben.
Das Festmahl im Himmelreich
Im Zentrum der Botschaft Jesu steht die Seele des Menschen und ihre Verbindung zu Gott. Der Körper wird als Hülle gesehen, die beim Sterben wie ein Mantel abgestreift wird und keine Zuwendung mehr braucht. Doch Jesus redet auch vom Essen, wenn er unsere himmlische Zukunft beschreibt. Das Himmelreich – dieser Überfluss, diese Überfülle – beschreibt er als Festmahl, zu dem alle geladen sind, Gute und Böse.
Da sind Freude, Gemeinschaft, Gleichheit, Nahrung und Genuss. Angebrochen ist das Fest schon hier und jetzt. Können wir die Einladung annehmen? Die Weisheitstraditionen der Welt und quantenpsychologische Erkenntnisse besagen, dass wir die Existenz nach dem Tod so erleben werden, wie wir es uns vorstellen; das heisst, wir kreieren sie mit. Das Festmahl bei Gott beinhaltet also eine Überfülle an Möglichkeiten, geprägt durch die Wahrnehmung der Menschen.
In geistlichen Schriften wird die Erfahrung der Liebe Gottes verglichen mit der Süsse von Honig. Könnte es jemand auch als Süsse von Nutella erleben?
