SBB steht nicht etwa nur für die Schweizerischen Bundesbahnen, sondern ist auch die Abkürzung für die Senioren Bühne Belp. Diese gibt es seit 24 Jahren unter dem Patronat der Kirchgemeinde Belp-Belpberg-Toffen. Seit drei Jahren nun führt Urs Hirschi dort Regie. «Ich wollte mich sozial engagieren, aber nur an einem Ort, wo ich auch etwas weitergeben kann», sagt der 79-Jährige, der sein Leben lang neben seinem Lehrerberuf Theater gemacht hat.
Die SBB habe eine wichtige soziale Komponente: Einerseits sei es eine schöne Beschäftigung für die Schauspieler. «Die Leistung, die sie erbringen, ist gewaltig», fügt Hirschi an. Und anderseits biete die SBB dem Publikum mit seinen Aufführungen eine abwechslungsreiche Nachmittagsunterhaltung.
Für Hirschi ist klar: Ein Seniorentheater könne nur Stücke aufführen, deren Themen in diese Le-bensphase passten. Die Auswahl an solchen Stücken sei rar. Zu ihnen gehört aber die schwarze Komödie «Wer zuletzt stirbt...» von LorenznKeiser – die die SBB heuer aufführt. Die Geschichte erzählt vom letzten Lebensabschnitt. Es geht um Leben und Tod, um Liebe, Krankheit und Organspende. «Auch wenn die Themen alles andere als lustig sind, Humor muss Platz haben», sagt Hirschi. Deshalb passe Keisers satirische und amüsante Art so gut. «Wirwollen das Publikum auch zum Lachen bringen.»
Mit 79 die erste grosse Rolle
Um das Stück für sein Ensemble spielbar zu machen, hat es Hirschi in Absprache mit dem Autor um die Hälfte gekürzt. Rund 70 Minuten dauert die Aufführung, die meist an Altersnachmittagen in verschiedenen Kirchgemeinden zum Besten gegeben wird. Zwölf Gastspiele gibt die Wanderbühne im Kanton Bern. Von Ort zu Ort fährt sie in einem kleinen Bus, in dem nicht nur Bühnenbild und Requisiten Platz haben, sondern auch die sieben Darstellenden.
Einer von ihnen ist Erwin Guggisberg. Seit zwölf Jahren spielt der 79-jährige Belper bei der SBB. Und heuer traute er sich das erste Mal eine Hauptrolle zu: Er verkörpert Max Wanner, der in einem Seniorencatering vor allem Leichenmahle zubereitet. Gleichzeitig wartet er auf eine neue Leber und entscheidet sich, seine mögliche Organspenderin zu besuchen.
Guggisberg erzählt, er habe lange hin und her überlegt. «Je öfter ich aber das Stück gelesen habe, desto klarer wurde mir: Diese Rolle will ich.» Der gelernte Apparatenspengler, der viele Jahre in den USA lebte und vor seiner Pension als Autoverkäufer arbeitete, zählt Theater und Musik zu seinen grössten Leidenschaften – und das seit jungen Jahren. Auch wenn das Seniorentheater zeitlich aufwendig ist, da jeweilsab August zweimal die Woche geprobt wird, freut sich Guggisbergjedes Jahr auf das Stück: «Zusammen etwas zu erschaffen und dies mit dem Publikum zu teilen, das macht Spass.»Nicola Mohler