Thomas

Von Adam bis Zippora

Wie linderte David die Depressionen von König Saul? War Maria Magdalena die Geliebte von Jesus? «reformiert.» stellt biblische Gestalten vor.

Mein Grossvater erzählte mir hin und wieder die biblische Episode vom «ungläubigen Thomas». Die Geschichte vom Jesus-Jünger Thomas also, der nicht glauben konnte, dass der von den Römern hingerichtete Jesus von den Toten auferstanden war. Laut der Bibel sagte er es so: «Wenn ich nicht (...) meinen Finger in das Mal der Nägel und meine Hand in seine Seite legen kann, werde ich nicht glauben.» (Joh 20,25)

Acht Tage nach diesem Ausspruch erschien Jesus den Jüngern, und Thomas bekam dabei Gelegenheit, die Wundmale des Auferstandenen tatsächlich zu sehen und zu betasten. Jesus sagte zu ihm: «Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Selig, die nicht sehen und doch glauben!» (Joh 20,29)

Mich hinterliess diese Geschichte immer ein bisschen betrübt. Dann also soll Thomas nicht zu den Seligen gehören, weil er einen Beweis wollte und sich mit dem Hörensagen nicht zufriedengab? Und doch: Er gehört unverbrüchlich zu den Getreuen Jesu und damit zu den «Seligen», und zwar nicht wegen, sondern trotz seiner Zweifel. In Südindien wird er als Apostel besonders verehrt, und manche Traditionslinien sehen in ihm sogar den Zwillingsbruder Jesu. Nach christlichem Verständnis muss niemand perfekt sein, um am Reich Gottes teilzuhaben.