«Mami hat nie ein Geheimnis aus unseren Familienverhältnissen gemacht, weder uns beiden noch anderen gegenüber», berichtet Elena, und ihre Zwillingsschwester Lia nickt dazu. Die 22-jährigen Studentinnen, die eigentlich anders heissen, sitzen nebeneinander auf dem Sofa und sprechen in unaufgeregtem Ton über ihre ungewöhnliche Familiengeschichte.
Von klein auf wussten die beiden, dass sie zwei Väter hatten. Jürg, den deutlich älteren Partner ihrer Mutter, nennen sie Herzenspapi. Er lebt in einer anderen Stadt. Da er bereits erwachsene Kinder hatte, wollte er kurz vor der Pension nicht nochmals Vaterschaftspflichten übernehmen.
Mehrere Halbgeschwister
Ihre Mutter respektierte dies – und fand im Internet einen Samenspender, der sich anerbot, regelmässigen Kontakt zu den von ihm gezeugten Kindern zu pflegen. Er wurde ihr biologischer Vater.
Es gibt ein Foto von ihm, Lia und Elena kurz nach der Geburt. Alle paar Jahre sahen sie sich, einmal sogar mit den Müttern und dem Dutzend Kindern, die mithilfe des gleichen Spenders entstanden waren. Lia: «Er ist für uns kein Unbekannter. Aber weder sonderlich interessant noch relevant.»
