Zwei Mütter zu haben, das ist für Malin Gaensslen das Normalste der Welt. So ist sie aufgewachsen, sie kennt nichts anderes. «Je älter ich werde, desto bewusster wird mir, wie glücklich ich mit meiner Familie bin», sagt die 22-Jährige, die im grau-blauen Hoodie an einem Tisch in der Luzerner Kino-Bar Bourbaki sitzt.
Schon als Kind war Familie für sie etwas, das sich gut anfühlte. Sie erinnert sich, dass sie mit etwa zehn Jahren ihren Müttern erklärte: «Ihr beide und mein Bruder Lou seid meine Familie, Papi ist wie das Chriesi auf der Torte.»
Zum Kinderwunsch stehen
Als sich die Mütter von Malin in den 1990er-Jahren kennenlernten, war es für lesbische Frauen noch weniger selbstverständlich als heute, sich den Wunsch nach einem Kind zu erfüllen. Schwule und Lesben hatten zwar schon länger damit angefangen, aus der Unsichtbarkeit zu treten und sich ihren Platz in der Gesellschaft zu erobern. Doch bis zur juristischen Gleichstellung durch die «Ehe für alle» war es noch weit.
«Lisa sagt, durch Maya sei für sie eine neue Welt aufgegangen», erzählt Malin. Maya, die Jüngere der beiden, wollte unbedingt eigene Kinder und suchte nach Wegen, sich den Wunsch zusammen mit ihrer neuen Partnerin Lisa zu erfüllen.
Über eine Kollegin lernten sie einen Brasilianer kennen, der in Zürich und Brasilien lebte und sich mit Lisas und Mayas Vorstellungen von Vaterschaft einverstanden erklärte: Seine Rolle sollte die des Erzeugers sein, aufwachsen würden die Kinder bei den beiden Müttern.
