Es gibt nur wenige Kirchen, die auf einer solch imposanten Lage gebaut wurden wie die Kirche San Geer (St. Georg) in Scuol. Sie liegt auf einem Felsen, lateinisch «scopulus», der dem Ort den Namen (Scuol) gab.
Diese Lage, hoch über der Innschlaufe, hat bedeutende historische Vergangenheit. Hier, wo jetzt der Friedhof ist, wurden erste Reste von Siedlungen aus der Bronzezeit gefunden, also ca. 1500 v. Chr.
Die mutigen Frauen
Und hier verteidigten die mutigen Frauen von Scuol ihre Heimat gegenüber dem österreichischen Feldherrn Baldiron im Jahre 1621. Für diese heldenhafte Tat dürfen sie nun in der Kirche auf der rechten Seite Platz nehmen, dort wo sonst nur die Männer sassen.
Im Jahre 1258 brannte hier eine erste karolingische Kirche nieder und machte einer romanischen Kirche Platz. Im Jahre 1516 wurde sie durch die jetzige spätgotische Kirche ersetzt. Baumeister war Bernhard von Puschlav.
Eindrücklich ist auch die Innenausstattung, mit einem Chor gegen Osten und einem Längsschiff, das seinesgleichen sucht. Die Fenster der Kirche wurden, im Zuge der letzten Renovation von 1972, von Gian Casty aus Zuoz geschaffen. Der Künstler malte zwei farbige Fenster im Chor mit zwei biblischen Szenen, sowie die Fenster des Schiffes gegen Süden in der sogenannten Rauchmalerei.
Kirchturm wurde 1562 erhöht
Beeindruckend sind auch die filigranen Dekorationsmuster der Decke, die Kreuze auf den Mauern des Schiffes und über dem Eingang der Kirche (lies die 12 Apostel), die Kanzel, im gleichen Jahr wie die Kirche gebaut (die Reformation vorausahnend, weil zentral gebaut) sowie die Toggenburger Orgel. Der ursprüngliche romanische Kirchturm wurde 1562 erhöht und bekam einen Spitzhelm.
Im Video erzählt Annina Kasper-Parolini von ihrer Arbeit als Kirchgemeindepräsidentin und ihrer Beziehung zur Kirche. Der Architekt Peter Langenegger erörtert die Geschichte der Kirche und beschreibt spannende Details. Für ihn handelt es sich dabei um die schönste Kirche weit und breit, was Annina Kasper-Parolini nur bestätigen kann.
