Gesang der Freiheit

Menschenrechte

Die iranische Sängerin Parastoo Ahmadi veröffentlicht ein Konzertvideo und zeigt, dass sich der Freiheitswille auch durch Gewalt und Repression nicht ersticken lässt. 

Eine Bühne, im Hintergrund traditionelle persische Architektur, drei Musiker, eine Sängerin, wunderbare, in der iranischen Tradition verwurzelte Popmusik. Eigentlich ein ganz normales Konzertvideo. 

Der kalkulierte Skandal

In der islamischen Republik aber ist der halbstündige Auftritt der Sängerin Parastoo Ahmadi, der auf dem Videoportal Youtube schon fast zwei Millionen Mal angeschaut wurde, ein Skandal. Ahmadi singt im Trägerkleid und ohne Kopftuch. Die Justiz eröffnete ein Gerichtsverfahren gegen die Sängerin, weil sie «die gesetzlichen und religiösen Normen» nicht beachtet habe. Ahmadi und zwei Musiker wurden verhaftet, kamen aber wieder frei.  

Irans Präsident Massud Peseschkian blockierte derweil eine weitere Verschärfung des Kopftuchzwangs, den konservative Kräfte im Parlament verlangten, mit seinem Veto.

Das Schwert der Liebe

Ahmadi schloss sich früh der Bewegung an, die sich nach der Ermordung der Kurdin Jina Mahsa Amini durch Sittenwächter im Herbst 2022 formiert hatte. Viele Musikerinnen und Musiker unterstützten die Proteste, die vom Regime brutal niedergeschlagen wurden.   

Der Rapper Toomaj Salehi entging nur knapp der Todesstrafe. Er hatte der Freiheitsbewegung einen Song gewidmet: «Reich und arm, von jeder Ethnie und jedem Stamm, reihen wir uns aneinander wie Patronen, das ist ein Schlachtfeld, unser Schwert ist die Liebe.» 

Niemals schweigen

Parastoo Ahmadi hat sich auf den sozialen Medien dank ihrer eingängigen Songs und ihrer ausdrucksstarken Stimme im Iran eine grosse Fangemeinde geschaffen. Zum Konzert schrieb sie: «Ich bin Parastoo, das Mädchen, das nicht schweigen kann und nicht aufhören wird, für das Land zu singen, das sie liebt.» 

In Iran gilt neben der rigiden Kleiderordnung auch ein Gesetz, das Frauen das Singen in der Öffentlichkeit verbietet. Mit ihren Songs zeigt Ahmadi, dass sich der Freiheitswille selbst mit brutaler Repression und Willkür nicht ersticken lässt. Ihr Publikum lädt die Sängerin ein, mit ihr «von einer freien und schönen Nation zu träumen».