Eben erst hat Emma ihre Hand in den Fahrtwind des Cabriolets gehalten, glücklich und mit Vorfreude, was ihr das Leben bringt. Sie ist arm und intelligent und ist für den «Tugendpreis» einer Stiftung vorgeschlagen. Der Preis könnte sie ihrem Traum, Krankenschwester zu werden, näherbringen. Momente später zeigt die Kamera ihre Hand, die sich zur Faust ballt, Grasbüschel packt und Blumen zerdrückt bis sie erschlafft.
Die Vergewaltigung
Während eines Ausflugs mit der Pfarrfamilie, für die die fünfzehnjährige als Haushaltshilfe arbeitet, wird sie von einem Gast beim Spaziergang abseits der Picknick-Gesellschaft vergewaltigt. Der Journalist stammt aus reichem Haus, tritt weltmännisch und laut auf und verweigert ihr verächtlich jede Unterstützung, als sie ihn schwanger in Genf aufsucht.
Im Gegensatz zum Vergewaltiger ist an Emma nichts laut. Die französische Jungschauspielerin Lila Gueneau trägt den Film in stiller, berückender Intensität. Emmas Gesicht bleibt scheinbar immer ruhig. Doch in ihrer Mimik, einem Blick, einem Augenaufschlag oder einem Zusammenkneifen der Lippen spiegeln sich ihr ganzer Schmerz, ihre Wut, aber auch die Entschlossenheit, ihre Würde zu bewahren und ihren eigenen Weg zu gehen.
Das Debüt
Mit «Silent Rebellion» ist der Neuenburger Regisseurin Maire-Elsa Sgualdo ein heute selten stiller Film gelungen. Mit eindringlichen Bildern, langsamer Kameraführung und knappen, aber vielsagenden Dialogen, berührt er tief. «Silent Rebellion» wurde vergangenen Herbst beim Filmfestival von Venedig in der Sektion «Venezia Spotlight» uraufgeführt und erhielt viel Beachtung. À bras-le-corps, so der Originaltitel, ist im Moment nur mit französischen Untertiteln zu sehen.
