Wie haben Sies mit der Religion, Frau Corti?
Mein Vater war aufgrund schlechter Erlebnisse in seiner Familie aus der katholischen Kirche ausgetreten. Meine Mutter war Atheistin. So musste ich meine eigenen Grundwerte finden, und ich begann, die Religionen zu hinterfragen. Wenn ich einer vertrauenerweckenden religiösen Bezugsperson begegnet wäre, hätte ich mich eventuell weniger allein gefühlt. Das Verhältnis zu meinen Eltern war schwierig.
Wo fanden Sie damals Halt?
Ab vier Jahren nahm mich mein Vater mit ins Opernhaus, hier war er als Bratschist angestellt. Auf einem Schemel neben ihm durfte ich sämtliche Opern und Ballette miterleben. Das war das Schönste in meiner Jugend. Denn die Musik hat etwas Unmissverständliches. Sie transportiert sämtliche Emotionen zwischen Freud und Leid. In Worten konnte ich meine Gefühle sonst nicht ausdrücken, und so wurde die Musik zu meiner Sprache. Sie gab mir viel Kraft für meine zukünftige Tätigkeit auf der Bühne.
Wie spürten Sie das?
Die Musik brachte mich in andere Sphären, mein Inneres im Tanz zum Schwingen. Ich visualisierte die Musik und erlebte durch sie tief empfundene Emotionen. Ich fühlte mich beim Tanzen mit einer unbeschreiblichen Kraft verbunden, beseelt von Glück, Demut und der Freude, dass ich solche kostbaren Momente mit dem Publikum teilen durfte. Meine Erfolge auf der Bühne empfinde ich als grosses Geschenk.
Haben Sie eine Erklärung für dieses Geschenk?
Ich erlebte viel Schwieriges, auch in meiner ersten Ehe. Doch ich hatte auch immer wieder grosses Glück. Das Universum hatte da wohl die Finger im Spiel. Ich war immer überzeugt, dass es eine höhere geistige Macht gibt. Dass Wünsche in Erfüllung gehen, wenn man diese Macht in Anspruch nimmt, habe ich schon mehrfach erlebt.
